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William Thomson (Lord Kelvin)




Thomson(1824–1907)

Die 1451 gegründete Universität Glasgow wurde 1870 in neue Gebäude auf dem Gilmorehügel verlegt. Von ihr aus überblickt man das Tal des Kelvin-Flusses, der unweit davon in den Clyde mündet. An dieser Universität lehrte William Thomson von 1846 bis 1899.

William Thomson kam am 26. Juni 1824 in Belfast zur Welt. Sein Vater wurde als Mathematikprofessor an die bereits erwähnte Universität Glasgow berufen. Keines seiner Kinder ging zur Schule; er unterrichtete sie alle selbst. Der frühreife William immatrikulierte sich schon mit 11 Jahren. 1841 bestand er in Cambridge sein Examen. Neben dem Studium trieb er Rudersport und spielte Horn.
Gute Musik liebte er bis an sein Ende.

Er las Arbeiten Faradays, Fouriers und Laplaces. Nach Erlangung des Doktorgrades (1845) weilte er in Paris, um Experimentiererfahrung zu bekommen. Mit 22 Jahren erhielt er die Professur für Naturwissenschaften an der Universität Glasgow, die er bis 1899 innehielt. Während dieser langen Zeit soll er nach dem gleichen Manuskript gelesen haben und war doch ein stets von Studenten umringter, begeisternder Lehrer.

Bei seinen Arbeiten strebte er stets danach, alles mathematisch zu formulieren, um damit rechnen zu können. 1847 hörte er in Oxford einen Vortrag von Joule. Von da an befasste er sich intensiver mit Wärmeproblemen. Im Jahre darauf schlug er die beim absoluten Nullpunkt beginnende Thermometerskala vor. Kurz danach gelang ihm der Nachweis, dass sich der Wirkungsgrad einer idealen thermischen Maschine umgekehrt proportional zur absoluten Temperatur ändert, was die grundlegende Bedeutung der absoluten Temperatur zeigte. Er schlug vor, den Joule-Thomson-Effekt für die Kältetechnik nutzbar zu machen, was später Linde verwirklichte.

Thomson machte sich auch Gedanken über die Entwicklung des Kosmos. Aufgrund thermodynamischer Überlegungen kam er zur damals ungeheuer erscheinenden Annahme, dass unser Weltall einen Anfang haben müsse.

1852 heiratete Thomson; seine Frau war leider immer kränklich. Die Fahrt zu einer Kur nach Deutschland bot ihm Anlass zur Begegnung mit Helmholtz, mit dem er von da an befreundet blieb. Mit dem Aufkommen des Telegrafen wandte Thomson sein Interesse elektrischen Problemen zu. In einem der Royal Society vorgelegten Bericht zeigte er, dass die elektrischen Signale in Seekabeln infolge der grossen Kapazität verzögert werden. Bei Versuchen zur Überprüfung dieser Ergebnisse beobachtete er Lichtablenkungen, die ihn auf die Idee des Spiegelgalvanometers brachten. 1855 konstruierte er das Quadrant-Elektrometer, ein statisches Spannungsmessgerät.

Als man im folgenden Jahr die «Atlantic Telegraph Company» gründete, wurde Thomson einer ihrer Direktoren, Er drang auf möglichst grosse Reinheit des für die Kabel verwendeten Kupfers und verfügte, dass die Kabeleigenschaften während der Verlegung dauernd überwacht würden. Bei der ersten Transatlantik-Kabellegung mit dem Schiff «Agamemnon» anno 1858 besorgte er diese Messungen sogar selber. Trotzdem versagte das Kabel 3 Monate später seinen Dienst. Erst 1865/66 gelang es, mit der «Great-Eastern» ein verbessertes Kabel zu legen. Nach der Rückkehr von dieser Fahrt wurde Thomson geadelt. In der Folge wurde Sir William bei fast jeder Kabellegung konsultiert.

Im Jahr der Verlegung der Universität starb Thomsons Frau. 1875 baute er für sich und seine zweite Frau bei Largs ein Landhaus. Im folgenden Jahr besuchte er die denkwürdige Ausstellung in Philadelphia, an der Bell der Welt sein Telefon vorführte. An der Elektrizitätsausstellung in Paris von 1881 und am dortigen Kongress vertrat Thomson Grossbritannien. Er bezeichnete die englischen Masse als absurd, komisch und zeitraubend und setzte sich schon damals energisch, aber leider erfolglos für die Einführung des metrischen Systems in England ein.

1892 wurde Sir William in den Peerstand erhoben unter Verleihung des Titels Baron Kelvin of Largs – oder kurz: Lord Kelvin.

Am 3. Juni 1898, ein Jahr vor seinem Rücktritt, gab er als Erster bei der Marconi Wireless Company ein bezahltes Telegramm nach den USA auf und markierte damit den Übergang zu einem neuen Zeitalter.

Seine letzten Jahre verlebte Lord Kelvin, dem zu Ehren die absoluten Temperaturen in «Grad Kelvin» angegeben werden, schwer geplagt von Neuralgien, in seinem Landhaus. Kurz nach der Rückkehr von einer Kur im September 1907 erlitt seine Frau einen lähmenden Schlaganfall. Das setzte dem alten Herrn dermassen zu, dass seine Kräfte rapid abnahmen. Am 17. Dezember 1907 starb er; seine sterbliche Hülle ruht in der Westminsterabtei zu London.