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Sir Charles Wheatstone




(1802–1875)

Jeder der Elektriker kennt die Wheatstone'sche Messbrücke. Aber wer kennt Wheatstone?

Er wurde im Februar 1802 als Sohn eines Musikalienhändlers in Cloucester geboren und dort in einer Privatschule erzogen. Mit 21 Jahren fing er zusammen mit seinem Bruder an, Musikinstrumente zu bauen. Er interessierte sich auch für die physikalischen Grundlagen und schrieb für Zeitschriften Aufsätze. 1833 legte er der Royal Society einen Bericht vor über die Chladin'schen Klangfiguren. Ohne grossen mathematischen Aufwand zeigte er, dass diese Figuren durch Superposition verschiedener Schwingungen vorausgesagt werden können.

Bald interessierten ihn optische Probleme. 1834 erfand er das Stereoskop, und im gleichen Jahr wurde er als Professor für Experimentalphysik ans Kings College in London gewählt. An der Jahresversammlung der British Association von 1835 in Dublin berichtete er über Spektraluntersuchungen an elektrischen Lichtbögen. Von den Fraunhofer'schen Linien sagte er dabei, sie stellten ein bequemeres Mittel dar zur Bestimmung der Elektrodenmetalle als die chemische Analyse.

Im Keller des Colleges führte er an einem etwa 800 m langen, isoliert aufgehängten Draht, in den in der Mitte und in der Nähe der Enden Funkenstrecken eingebaut waren, Messungen über die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Elektrizität durch. Mit einer Leidnerflasche gab er Ladungsstösse auf die Leitung und mass mithilfe eines Drehspiegels die Zeitunterschiede der Uberschläge an den nebeneinander angeordneten Funkenstrecken. Wenn auch sein Ergebnis (ca. 400 000 km/s) zu hoch lag, so war es für die damalige Zeit doch bemerkenswert.

Wheatstones Stärke lag darin, für neue Erkenntnisse praktische Anwendungen anzugeben. So war es ganz natürlich, dass ihn nun die Idee des elektrischen Telegrafen fesselte. Anfänglich zusammen mit W. F. Cook, später allein, baute er Telegrafen, einen mit 5 Nadeln, einen mit 2 Nadeln, dann einen schreibenden. Dass in England schon 1838 ein brauchbarer Bahntelegraf in Betrieb stand, ist weitgehend ihm zu verdanken.

Zwei Jahre später fing er an, sich mit der Unterwassertelegrafie zu befassen, und 1844 machte er damit Versuche an der Swansea-Bay. Eine besondere Vorliebe hatte er für den Chiffrier-Telegrafen.

Ebenfalls um diese Zeit entstand aufgrund einer Anregung von Christie die bekannte Widerstandsmessbrücke.

Beim Sprechen vor einem grössern Auditorium wurde Wheatstone von Hemmungen geplagt. Nach 1840 zog er sich daher von den Vorlesungen zurück und widmete sich dem Forschen und Entwickeln.

Anfang 1847 heiratete er. Dem Paar wurden 5 Kinder geschenkt.

1867 beschrieb er in der Royal Society eine sich selbst erregende Maschine, bei der er einen Shunt verwendete. Das war ein Monat, nachdem Werner Siemens in Berlin seine in Serie geschaltete selbsterregende Dynamomaschine vorgeführt hatte. Dabei hatte Wheatstone sein Modell schon im Sommer 1866 bauen lassen, also vor Siemens, aber davon nichts publiziert.

Wheatstone wurde mit Ehrungen überschüttet. Mit Ehrendoktoren fing es an, dann ernannten ihn zahlreiche Akademien zu ihrem Mitglied, und schliesslich wurde er am 30. Januar 1868 in den Adelsstand erhoben.

Am 19. Oktober 1875 starb Wheatstone an einer Lungenentzündung während eines Aufenthaltes in Paris.

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