(1879–1935)
In Dampfkraftanlagen muss streng genommen die Regelung der Feuerung den Belastungsschwankungen nachgeführt werden. Das ist nur unvollkommen möglich und müsste mit einem schlechteren Wirkungsgrad erkauft werden. Durch den Anschluss eines Speichers zwischen Kessel und Dampfverbraucher gelang es dem schwedischen Ingenieur Ruths, diesen Nachteil weitgehend zu eliminieren. Der Ruths-Speicher ist zu 95% mit Wasser gefüllt. Steht Überschussdampf zur Verfügung, wird dieser in den Speicher eingeblasen, wodurch Druck und Temperatur in ihm steigen. Ist der Dampfbedarf grösser als die Dampfproduktion des Kessels, wird am Speicher ein Ventil geöffnet, was einen Druckabfall und damit Dampfentwicklung bewirkt und Dampfentnahme ermöglicht.
In der Schweiz erlangte der Ruths-Speicher keine grosse Bedeutung, weil wir unsern Energiebedarf weitgehend mit Wasserkraftelektrizität deckten. Vielleicht ändert sich das, wenn Wärmekraftanlagen eine breitere Anwendung finden, wobei allerdings nur kleine und mittlere Betriebe Nutzen ziehen könnten.
Johannes Carl Ruths, Sohn eines Bäckermeisters, wurde am 17. Juli 1879 in Karlskrona an der Südküste Schwedens geboren. In seiner Vaterstadt bestand er die Matura, studierte an der Technischen Hochschule Hannover, wo er 1903 das Diplom als Elektroingenieur erhielt. Er arbeitete dann in deutschen und österreichischen Bergbau- und Hüttenbetrieben. Im Tirol lernte er auch seine Frau kennen. 1908 erwarb er an der Technischen Hochschule Hannover den Doktortitel. Nach Schweden zurückgekehrt, wirkte er von 1909 bis 1913 an der Elektrischen Prüfanstalt, der er eine mechanische Prüfanstalt angliederte. 1913 bewarb er sich um das deutsche Patent für den Ruths-Speicher. Während des Krieges arbeitete er als Direktor des grössten Zellstoffkonzerns in Finnland.
1917 konnte er dann in Stockholm die «Dampfakkumulator AG» gründen, deren Direktor und später Verwaltungsratsdelegierter er war. Nach 11 Jahren erhielt sein Unternehmen den Namen «Ruths Akkumulator AG». In verschiedenen europäischen Ländern gründete er Tochtergesellschaften. Er erhielt für seine Erfindung, die in Ländern mit vorwiegender Erzeugung kalorischer Energie sowohl in Industrieanlagen als auch bei Elektrizitätswerken starke Verbreitung fand, Medaillen, Ehrendoktorate und wurde zum Mitglied der Schwedischen Akademie der Wissenschaften gewählt.
Ruths, eine imponierende Gestalt, ein brillanter Redner, guter Kenner Goethes und der Philosophen, weilte 1935 während einer Geschäftsreise in Zürich. Hier zog er sich eine Lungenentzündung zu, der er am 16. Juni erlag.