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Jules Henri Poincaré




(1854–1912)

Der Apotheker Jules Nicolas Poincaré in Nancy hatte zwei Söhne, Léon, Medizinprofessor, und Antoni, Inspektor der Ponts et Chaussées. Beider Söhne wurden berühmte Männer: Antonis Sohn Raymond als französischer Ministerpräsident während des Ersten Weltkriegs und Léons Sohn Henri als Mathematiker. Henri wurde am 29. April 1854 in Nancy geboren und durchlief das dortige Lyzeum. Nach dem Abschluss seiner Studien an der Ecole polytechnique und der Ecole des Mines in Paris wurde er im März 1879 als Ingenieur 3. Klasse in Vesoul eingesetzt. Nach kurzer Tätigkeit an der Faculté des Sciences in Caen wurde er 1881 durch Dekret Maître de conférences an der Faculté des Sciences in Paris. Er war aber kein besonders guter Dozent, weil er scheinbar zerstreut, in Wirklichkeit aber stets mit seinen Problemen beschäftigt war. 1886 zum ordentlichen Professor für Mechanik und mathematische Physik befördert, wechselte er 1896 zum Lehrstuhl der Himmelsmechanik, und schliesslich bekleidete er von 1904 bis 1908 die Professur für Astronomie an der Ecole polytechnique. In dieser Zeit erteilte er auch noch Kurse an der höheren PTT-Schule.

Weil seine Aktivitäten praktisch alle Gebiete der Physik und der Astronomie umfassten, galt er als Universal-Mathematiker. Bei all seinen Arbeiten bemühte er sich, die Theorie für die Praxis nutzbar zu machen. Obwohl er selber keine Experimente ausführte, sagte er aufgrund seiner mathematischen Formulierungen die Resultate vieler Versuche voraus.

Zur Illustration seines vielseitigen Wirkens – es umfasst etwa 30 Bücher und über 500 Abhandlungen – seien stichwortartig einige Arbeiten zitiert: Thermodynamik, Strahlungstheorie, Quanten, Gleichgewichtsformen von rotierenden flüssigen Massen, als da sind Ringe, Ellipsoide und birnenförmige Körper. Poincaré folgerte aus diesen Studien, unser Mond habe sich noch von der flüssigen Erde gelöst. Er war beteiligt bei der Meridiansvermessung, befasste sich mit der nicht euklidschen Geometrie (Riemann), und seine Beiträge zum sogenannten Dreikörperproblem trugen ihm 1890 den vom Schwedenkönig ausgeschriebenen Preis ein. Berühmt geworden ist auch seine Lehre der Himmelsmechanik.

Zahlreich sind Arbeiten, die für die Elektrotechnik wichtig sind. Hier sind zu erwähnen die «Telegrafengleichung», Abhandlungen über die Theorie von Maxwell und die Hertz'schen Schwingungen, die drahtlose Telegrafie, die magnetische Energie und eine solche über die Dynamik des Elektrons. Ausgehend von den Arbeiten von Lorentz hat Poincaré unabhängig von Einstein wenige Tage vor dessen Publikation das Postulat der Relativität ausgesprochen.

«Wissenschaft und Hypothese», «Der Wert der Wissenschaft» und «Wissenschaft und Methode» sind die Titel dreier seiner Werke, in denen er sich als Philosoph zum Worte meldet. Gelten Sätze wie die folgenden heute nicht mehr?

– Es ist wichtig, die einfachen Tatsachen zu untersuchen, denn diese begründen die Gesetze, wozu auch die der Ästhetik gehören.
– Eine Meinung kann nie eine wissenschaftliche Erkenntnis ersetzen.
– Zum Leben braucht es Waffen und Mut. Wissenschaften sind unsere Waffen. Wenn wir sie nicht brauchen, so versagt nicht die Wissenschaft, sondern der Mensch.
– Je demokratischer die Welt wird, umso nötiger wird die Elite.

Poincaré war ein mittelgrosser Mann, der im Gespräch blitzartig antwortete und über ein hervorragend gutes Gedächtnis verfügte. Im Jahre 1881 hatte er geheiratet. Drei Töchter und ein Sohn wurden ihm geschenkt. Der Sohn wurde wieder Mathematiker. Poincaré erhielt viele Preise und Ehrungen; er war nicht nur Mitglied vieler wissenschaftlicher Akademien, sondern auch der illustren Académie de France. Im Juli 1912 weilte er am Mathematikerkongress in Rom. Heftiger Schmerzen wegen konnte er sein Referat nicht halten. Die Ärzte rieten zu einer Operation, weswegen er eilends nach Paris zurückkehrte. Die Operation gelang, aber 8 Tage später erlitt er eine Embolie, die am 17. Juli 1912 seinen Tod zur Folge hatte.

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