(1801–1868)
Julius Plücker, Sohn eines Kaufherrn, wurde am 16. Juli 1801 in Elberfeld geboren, besuchte das Düsseldorfer Gymnasium und studierte Mathematik und Physik in Bonn, Berlin und Heidelberg. Um die Arbeiten der grossen französischen Mathematiker kennenzulernen, hielt er sich 1824 in Paris auf.
Im folgenden Jahr habilitierte er sich als Dozent für Mathematik an der Universität Bonn. Dort wurde er bald ausserordentlicher Professor. Nach kürzerem Wirken in Berlin und Halle übertrug ihm Bonn 1836 die ordentliche Professur für Mathematik.
Nach dem Urteil der Royal Society in London gehörte Plücker aufgrund seiner Arbeiten über Mathematik und analytische Geometrie zu den ersten Mathematikern seiner Zeit. Kurz nach seiner Ernennung starb in Bonn der Physikprofessor, und Plücker hatte von da ab auch Physik zu lesen. Da in Deutschland seine bedeutenden mathematischen Leistungen wenig bekannt waren (seine Arbeiten waren meistens in Frankreich und England publiziert worden) und er bis dahin im neuen Fach nicht gearbeitet hatte, machten sich gegen seine Stellung als Ordinarius der Physik ernsthafte Widerstände bemerkbar. Um diesen entgegenzuwirken, widmete er sich von 1847 an fast ausschliesslich der Physik.
Beim Wiederholen von Faradays Versuchen entdeckte er, dass sich Kristalle im Magnetfeld je nach Lage der Kristallachsen anders verhalten. Untersuchungen über Magnetismus und Diamagnetismus sowie über Thermometrie und Dämpfe folgten. 1854 hatte Geissler in Bonn seine Glasbläserei eröffnet. Plücker benötigte für seine Versuche viele dieser Glaskonstruktionen. An den Geissler-Röhren untersuchte er Spektren. Dabei entdeckte er, dass Farbe und Spektrum des ausgestrahlten Lichtes bestimmt werden durch die Art des Gases im Rohr und die bei der Entladung auftretende Temperatur.
1859 beobachtete er hinter der Anode einer Geissler-Röhre ein schwaches Leuchten. Er liess dann ein Loch in die Anode bohren und entdeckte so die Kathodenstrahlen sowie die Luminiszenz. Damit schuf er den Ausgangspunkt für den heute unentbehrlichen Kathodenstrahl-Oszillografen.
Neben seinen wissenschaftlichen Arbeiten nahm Plücker aktiven Anteil an der Leitung der Universität Bonn. Er war zweimal Rektor und mehrere Male Dekan der Philosophischen Fakultät. Unter anderem war er Mitglied der Akademien von München, Wien, Uppsala und der Royal Society in London.
Am 22. Mai 1868 starb Plücker in Bonn. Er hatte 1837 geheiratet; seine Frau und der einzige Sohn überlebten ihn.