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Robert von Lieben




(1878–1913)

Robert von Lieben wurde in den Wohlstand einer geadelten Wiener Bankiersfamilie geboren (5. 9. 1878). Er war kein guter Schüler, nicht mangels Intelligenz, sondern weil er den Unterricht als Störung empfand, war er doch stets mit eigenen Problemen beschäftigt. Er besuchte das akademische Gymnasium und dann die Realschule, machte aber keine Abschlussprüfung. In dieser Zeit richtete er im väterlichen Landsitz die elektrische Beleuchtung ein. Gleich zu Beginn seines Militärdienstes verletzte er sich beim Sturz vom Pferd und wurde ausgemustert. Bei Siemens-Schuckert in Nürnberg absolvierte er darauf eine Werkstättenpraxis. Im Frühling 1899 zog er ans Institut für physikalische Chemie der Universität Göttingen zu Prof. Nernst, bei dem er Vorlesungen über Experimentalphysik hörte.

Um sich voll seinen Ideen und Erfindungen widmen zu können, richtete er sich dann in Wien ein eigenes Labor mit Werkstätte ein und sicherte sich die Mitarbeit von 3 Wissenschaftlern. Da beschäftigte er sich u.a. mit einer elektromagnetischen Kupplung für Autos, mit einem elektrolytischen Phonografen und daran anschliessend mit Problemen der Sprachwiedergabe. Daraus entstand sein Interesse am Telefon. Das ging so weit, dass er 1904 eine Telefonfabrik in Olmütz kaufte. Da ihn aber ein geregelter kaufmännischer Betrieb nicht zu fesseln vermochte, verkaufte er die Fabrik bald wieder.

Das Telefonieren auf grössere Distanzen war zu jener Zeit noch recht mangelhaft. Lieben suchte daher nach einer Möglichkeit, Telefonströme zu verstärken. Versuche mit Kathodenstrahlen, bei denen er ganze Nächte hindurch arbeitete, führten zu einem Kathodenstrahl-Relais. Sein erstes Patent aus dem Jahre 1906 betrifft diese als «Lieben-Röhre» bekannt gewordene Erfindung; Mit zwei Mitarbeitern entwickelte er die Apparatur weiter und entdeckte 1910 die Gitterwirkung, was dann zur elektronisch gesteuerten Gitterröhre führte (2. Lieben-Patent). Er machte diese Erfindung unabhängig und praktisch gleichzeitig wie der Amerikaner Lee de Forest. Er erkannte auch die grosse technische und wirtschaftliche Bedeutung seiner Entdeckung und sah einer gesicherten Zukunft entgegen. 1911 heiratete er eine erfolgreiche Schauspielerin. Aber dann stellten sich bald schwere Krankheitssymptome ein, und am 20. Februar 1913 erlag er dem heimtückischen Leiden. Bis zuletzt war er mit Prof. Nernst und dem Dichter Hugo von Hofmannsthal freundschaftlich verbunden.

Der frühe Tod dieses Mannes ist dafür verantwortlich, dass man später relativ wenig von seiner Erfinderleistung sprach.

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