(1861–1915)
Wenn Sie in einem Hochhaus dem Lift entsteigen und sich über die rasche und stossfreie Fahrt freuen, dann ist es wahrscheinlich, dass dieser Aufzug einen «Ward-Leonard-Antrieb» besitzt. Darunter versteht man eine aus Drehstrommotor, Gleichstromgenerator und Erreger bestehende Gruppe, die den Gleichstromantriebsmotor speist. Diese Schaltung wurde 1891 von H.W. Leonard angegeben.
Harry Ward Leonard wurde am 8. Februar 1861 in Cincinnati als Sohn eines Kaufmanns englischer Abstammung geboren. (Sein zweiter Vorname ist der Mädchenname seiner Mutter.) Er studierte von 1879 bis 1883 am Massachusetts Institute of Technology und trat darauf seine erste Stelle bei Edison an, wo er bei der Erstellung «elektrischer Zentralstationen» in den wichtigsten Städten des Landes mithalf. 1888 wurde er Chef der Western Electric Light Company in Chicago. Kurz darauf gründete er mit einem Associé die Firma Leonard & Izard, die aber schon im folgenden Jahr von der Edison General Electric aufgekauft wurde. 1894 eröffnete er in der Nähe New Yorks die noch heute bestehende Ward-Leonard Electric Company zur Ausbeutung seiner eigenen Erfindungen. Dazu gehörten u. a. ein Zugbeleuchtungssystem, bei dem eine von der Lokomotive aus gespiesene, im unmittelbar folgenden Gepäckwagen installierte kleine Dampfmaschine einen Generator antrieb, an den die ganze Zugbeleuchtung angeschlossen war. Eine der wichtigsten Erfindungen war dann die erwähnte Ward-Leonard-Schaltung, die ausser für Aufzüge in Hochhäusern für Antriebe von Walzwerken und Papiermaschinen noch heute üblich ist, erlaubt sie doch unter Vermeidung von grossen Verlusten einen ausserordentlich weiten Regelbereich der Drehzahl.
Unter seinen über 100 Patenten seien noch die Rekuperationsbremse für Bahnen und Grubenaufzüge sowie die Vielfachsteuerung für Gleichstrombahnen erwähnt. Die Letztere erlaubte eine Rationalisierung der Vorortbahnen, indem die von einem einzigen Lokführer der Stammlinie geführten Züge an den Verzweigungspunkten aufgeteilt und von dort aus getrennt bemannt wurden. Dabei wurde sowohl für die Teilzüge wie für den langen Zug eine grosse Beschleunigung erreicht.
Leonard entwickelte auch den Beleuchtungsdynamo und den Anlasser für Automobile. Er empfing viele Ehrungen; war von 1893 bis 1895 Vizepräsident des American Institute of Electrical Engineers und eine Zeit lang Gemeindepräsident von Bronxville, wo früher seine Fabrik stand. Am 18. Februar 1915 starb er während eines Essens der AIEE in New York. Nachkommen hatte er keine.