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Max von Laue




(1879–1960)

Noch einige Jahre nach der Entdeckung der Röntgenstrahlen wusste man nicht, welcher Natur diese Strahlung ist. Die einen hielten sie für eine Korpuskularstrahlung, andere, darunter auch Röntgen, für longitudinale Wellen (wie Schall), während eine dritte Gruppe darin transversale, elektromagnetische Wellen (wie Licht) vermutete. Max Laue konnte dazu 1912 den Beweis liefern.

Max Laue, Sohn eines Berufsoffiziers, wurde am 9. Oktober 1879 in Pfaffendorf bei Koblenz geboren. Da der Vater oft versetzt wurde, führte die Familie ein Nomadenleben. Der junge Laue besuchte Schulen in Posen, Berlin und Strassburg, wo er das Abitur bestand. Vorlesungen, die er dort während seiner Militärdienstzeit bei C. F. Braun besuchte, bewogen ihn, den Weg in die Physik zu wählen. Er studierte in Göttingen, München und Berlin, hatte eine Vorliebe für Optik und für die Vorlesungen Plancks. Am Staatsexamen für die Lehrbefähigung an höhern Schulen belegte er als Freifächer auch Chemie und Mineralogie.

Im Herbst 1905 machte Planck ihn zu seinem Assistenten. Laue wandte bei ihm den Entropiesatz auf optische Strahlen an, befasste sich mit der Relativitätstheorie, über die der 1910, dem Jahr seiner Verheiratung, ein Buch schrieb. Unterdessen war er als Privatdozent nach München gezogen, wo Röntgen und Sommerfeld wirkten.

Eines Tages fragte ihn ein Doktorand nach dem Verhalten von Lichtwellen in Raumgittern. Laue schlug ihm vor, auch einen Versuch mit Röntgenstrahlen zu machen. So konnte Laue der Münchner Akademie in Anwesenheit Röntgens am 4. Mai 1912 Beugungsspektren von Röntgenstrahlen (sog. Laue-Diagramme) vorweisen. Als Gitter hatte er Raumgitter von Kristallen verwendet. Mit der Beugung war der Beweis erbracht, dass Röntgenstrahlen elektromagnetische Wellen sind. Bei bekannten Abmessungen der Raumgitter ergab sich die Möglichkeit, die Wellenlänge der Röntgenstrahlen und umgekehrt bei bekannter Wellenlänge der Strahlung die Abmessungen im Kristallgitter zu bestimmen.

Noch im gleichen Jahr wurde Laue Professor an der Universität Zürich. Das Jahr 1914 brachte ihm dann viel Ehre: Er erhielt den Nobelpreis für Physik, wurde als ordentlicher Professor nach Frankfurt berufen und, da sein Vater in den erblichen Adelsstand erhoben wurde, fiel auch ihm der Adelstitel zu. Während des Ersten Weltkriegs hatte von Laue für das Heer elektrische Verstärkerröhren zu entwickeln. 1919 zog er wieder nach Berlin, wurde auf Empfehlung Plancks Mitglied der Preussischen Akademie der Wissenschaften sowie theoretischer Berater der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt. Anfang der 1930er-Jahre beschäftigte er sich mit Supraleitung.

Als er Einstein in der Physikalischen Gesellschaft gegen die Angriffe der Nazi verteidigte, wurde er seines Beraterpostens enthoben. Zwei Jahre vor Kriegsbeginn schickte er seinen einzigen, 1916 geborenen Sohn nach den USA, damit dieser nicht Hitler dienen müsse. Von Laue half vielen Juden bei der Auswanderung. Am 1. Oktober 1943 wurde er von den Nazis vorzeitig emeritiert. Den von ihm geleiteten Teil des Kaiser-Wilhelm-Instituts liess er 1944 nach Hechingen verlegen, von wo er am 23. April 1945 mit Hahn und andern Physikern nach England geführt und interniert wurde. Nach dem Krieg setzte er sich für die Wiedergeburt der Physikalischen Gesellschaften und der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt ein.

Am 24. April 1960 starb von Laue nach einem Autounfall. Er verdient nicht nur seiner wissenschaftlichen Leistungen wegen Achtung, sondern besonders auch für seine unerschrockene Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus.

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