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Jean Landry




(1875–1940)

Während in der deutschen Schweiz dank privater Initiative schon 1908/09 regionale (d.h. überkantonale) Netzverbindungen entstanden, fehlten solche in der welschen Schweiz bis gegen 1920. Es war das grosse Verdienst Landrys, durch die Gründung der EOS (Energie de l'Ouest-Suisse) diesen Zusammenschluss in umfassender Weise in die Wege zu leiten und zu verwirklichen.

Landry wurde am 3. Oktober 1875 in Meudon bei Les Verrières als 14. Kind eines Wein- und Holzhändlers geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Neuenburg durchlief er 1894–1898 das Eidgenössische Polytechnikum in Zürich, wo er u.a. Schüler Wysslings war. René Thury stellte den jungen Maschineningenieur für die Cie de l'Industrie Electrique, der nachmaligen Sécheron, an. Kurz darauf etablierte er sich als beratender Ingenieur in Lausanne. Schon 1902 berief ihn die Ecole d'ingénieur de l'Université de Lausanne (später EPUL) als Professor für industrielle Elektrizität. Er las in der Folge Elektrizitätslehre, Wechselstromtheorie, Theorie und Konstruktion von Gleichstrommaschinen, Generatoren, Transformatoren und Apparaten. Er glänzte nicht nur durch seine Intelligenz, sondern auch durch ein enormes Arbeitsvermögen, klaren und lebhaften Vortrag.

1919 wurde Landry zum Direktor der EPUL ernannt; der SEV, den er seit 1912 präsidiert hatte, verlieh ihm die Ehrenmitgliedschaft. Im gleichen Jahr gelang ihm die Gründung der EOS, an der sich die Städte Genf und Lausanne, die Société Romande d'Electricité, die Enterprises Electriques Fribourgeoises, die Electricité Neuchâteloise, die S.A. de l'Usine des Clées, die Soc. des forces électriques de la Goule sowie eine Reihe von Industrieunternehmungen beteiligten. Damit war ihm der Zusammenschluss der Elektrizitätswerke der welschen Schweiz geglückt.

Unter der Führung Landrys erwarb die EOS schrittweise Kraftwerke im Unterwallis. 1927 konnte er von einem privaten Ingenieur die Konzession für das Dixence-Kraftwerk erwerben. Darauf gründete er die «La Dixence S.A.»‚ deren Leitung er unter Beibehaltung seiner übrigen Verpflichtungen übernahm. Nach 6 Jahren Bauzeit konnte das Dixence-Kraftwerk 1935 dem Betrieb übergeben werden. Landry durfte stolz sein auf dieses Werk.

Trotz der gewaltigen Arbeitslast, die ihm durch EPUL, EOS und Dixence abverlangt wurde, stellte Landry sich vielen wichtigen Kommissionen zur Verfügung. Kaum der Sorgen um das Kraftwerk enthoben, übernahm er das Präsidium des Fachgruppenkomitees «Elektrizität» der Schweizerischen Landesausstellung 1939 in Zürich. Mir (Heinrich Wüger) war es vergönnt, unter seiner Führung für die Projektierung, den Bau und Betrieb des Pavillons «Elektrizität» mitzuarbeiten. Ich lernte Landry als strengen, aber gerechten Chef kennen. Eher in sich gekehrt und nicht leicht zugänglich, freute er sich jedoch aufrichtig über die «Landi» und seinen Elektrizitätspavillon, der viel Lob erhielt.

Kaum ein Jahr nach der denkwürdigen Ausstellung, am 17. Juni 1940, erlag Jean Landry einem Schlaganfall.

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