(1850–1925)
Lang- und Mittelwellen haben nur eine geringe Reichweite. Demgegenüber kann man Kurzwellensender fast um den ganzen Erdball empfangen, da die leitende, in etwa 100 km Höhe in der Ionosphäre liegende «Heaviside-Schicht» kurze Wellen wie ein Spiegel zur Erde reflektiert. Heaviside und Kenelly haben sie unabhängig voneinander um 1900 fast gleichzeitig entdeckt. Heaviside hatte mit Echoloten experimentiert.
Oliver Heaviside, der weder eine Schule noch eine Universität besucht hat, erwarb sich durch Selbststudium hervorragende mathematische Kenntnisse. Als Sohn eines Holzschnitzers wurde er am 18. Mai 1850 in London geboren. 1870–1874 arbeitete er in Newcastle upon Tyne als Telegrafist, musste diese Tätigkeit aber wegen zunehmender Schwerhörigkeit aufgeben. Obwohl er von Natur aus witzig und geistreich war, bewirkte seine Hörbehinderung, dass er sich in die Abgeschiedenheit zurückzog; er blieb auch ledig.
Schon 1868 hatte er mit elektrischen Versuchen begonnen. Eine erste Publikation befasste sich mit der Duplex-Telegrafie. Eine Reihe von Aufsätzen, die zwischen 1885 und 1887 in der Zeitschrift «The Electrician» erschienen, brachten ihn zu Ansehen. Er stellte eine Theorie des 5-km-Effektes auf, die später von Hertz als richtig anerkannt wurde. In einem andern Bericht sagte er die Vorteile voraus, die sich mit dem Einbau von Induktivitäten in lange Telegrafenleitungen ergeben, was später von Pupin verwirklicht wurde. Er sprach auch die Vermutung aus, dass es wahrscheinlich ein elektrisches Analogon zum Magneten gebe. 1925 entdeckte dann der Japaner Eguchi die Elektrete.
Heaviside war nie auf Rosen gebettet, aber auch nie mittellos. Sein Bruder Charles hatte eine Zeit lang im Musikinstrumentengeschäft von Charles Wheatstone, einem Onkel der Heaviside, gearbeitet. Aber Wheatstone interessierte sich nicht um die Studien des Oliver Heaviside. Zum Glück gingen Heaviside aber verschiedene Wissenschaftler um mathematische Hilfe an, die er auch immer gewähren konnte. Den Lebensabend verbrachte er in einem Altersheim in Torquay, wo er am 3. Februar 1925 starb.
Die Royal Society ernannte Heaviside zum Fellow und verlieh ihm die Faraday-Medaille; von der Universität Göttingen erhielt er den Ehrendoktor. Ferner wählte ihn die Amerikanische Akademie für Kunst und Wissenschaft zu ihrem Ehrenmitglied.