Startseite  |  Verband  |  Bulletin SEV/VSE  |  Pioniere der Elektrotechnik  |  HahnO
druckenSeite drucken

Otto Hahn




(1879–1968)

In die Reihe der Wegbereiter der Kernenergie gehören neben Einstein, Rutherford, Cockcroft, Fermi auch Otto Hahn und Lise Meitner. Otto Hahn wurde am 8. März 1879 in Frankfurt am Main als dritter Sohn eines Glas- und Spiegelhändlers geboren. Während der Oberrealschule besuchte er Abendvorlesungen des Physikalischen Vereins, wobei ihn die Chemie besonders fesselte. Er studierte dann dieses Fach an den Universitäten Marburg, München und wieder Marburg, wurde nach dem Militärdienst als Einjährigfreiwilliger Vorlesungsassistent in Marburg. Ein Industrieller bot ihm dort eine Stelle an, stellte aber die Bedingung, dass Hahn sich in England tadellose Sprachkenntnisse aneigne. Prof. Ramsay in London bot ihm diese Gelegenheit. Er musste im Labor aus verunreinigtem Bariumchlorid Radium abtrennen. Hahn fand dabei ein neues radioaktives Element, was Ramsay veranlasste, ihm zu empfehlen, statt in die Industrie zu gehen, sich der Forschung über Radioaktivität zu widmen. Hahn sagte das zu, und er zog im Herbst 1905 zu Rutherford, der damals in Montreal arbeitete. Bei ihm musste er aus Pechblende Bleichlorid isolieren und entdeckte dabei abermals einen neuen radioaktiven Stoff.

Vom Sommer 1906 bis 1912 war er am chemischen Institut der Universität Berlin tätig, wo er und die 1907 von Wien hergereiste Physikerin Lise Meitner weitere Entdeckungen machten. Die Stellung der beiden war aber recht unerfreulich, weil die Chemiker wie auch die Physiker ihre Tätigkeit im Übergangsgebiet zwischen den beiden Disziplinen heftig kritisierten.

Mit der Gründung des Kaiser-Wilhelm-Instituts im Jahre 1913 änderte sich das. Hahn wurde Leiter der selbstständigen Abteilung für Radioaktivität, die später in die Institute für Radiochemie und Kernphysik aufgeteilt wurde.

Während des Ersten Weltkriegs war Hahn als Chef der Gastruppen eingesetzt. Nur in den kurzen Urlauben konnte er in seinem Labor arbeiten. 1928 wurde Hahn Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts. Die Aufforderung, der NSDAP beizutreten, lehnte er ab.

Zusammen mit Strassmann begann er 1935 Untersuchungen über die Umwandlung von Uran durch Neutronen. Ende 1938 machten die beiden die sensationelle Entdeckung, dass beim Beschuss von Uran (92) mit langsamen Neutronen Barium (56) und Krypton (36) entstanden war. Sie wagten nicht, dieses fast unglaubliche Ereignis zu publizieren. Hahn berichtete es Lise Meitner. Sie zerstreute alle Zweifel, indem sie die sensationelle Tatsache als Kernspaltung interpretierte.

Im Zweiten Weltkrieg musste Hahn im vom Kriegsministerium gegründeten «Kernforschungsamt» arbeiten. Die vielversprechenden Studien über mit schwerem Wasser gebremsten Neutronen mussten aber aufgegeben werden, weil Norwegen kein schweres Wasser mehr liefern konnte. Der Bombardierungen wegen wurde das Amt ein Jahr vor Kriegsende nach Taifingen (Württemberg) verlegt. Von dort führten die Engländer im April 1945 Hahn und andere Forscher ab. Während seiner Internierung bei Cambridge erreichten ihn die Nachrichten, dass ihm der Chemienobelpreis für 1944 zugesprochen und er zum Präsidenten der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft gewählt worden sei. Die Meldung über den Atombombenabwurf schmetterte ihn derart nieder, dass er an Selbstmord dachte, da er sich dafür mitverantwortlich fühlte. 10 Jahre später verlangte er, dass die Bundesrepublik auf den Besitz von Nuklearwaffen verzichten solle.

Auf Begehren der Alliierten wurden die nach Kaiser Wilhelm benannten Gesellschaften und Institute auf den Namen Max Planck umgetauft.

Hahn, der Wohnsitz in Göttingen nahm, setzte sich mit Energie für den Neuaufbau des Max-Planck-Instituts ein. Als er 1960 vom Präsidium der Gesellschaft zurücktrat, wurde das Institut für Kernforschung in Berlin umbenannt in Hahn-Meitner-Institut und das Max-Planck-Institut in Otto-Hahn-Institut. Auch sonst empfing er viele Ehrungen.

Hahn, ein schlichter und bescheidener Mensch, sah sich stets als Chemiker und anerkannte uneingeschränkt die Leistungen der Physiker. Er war beseelt von einem hohen Ethos und plädierte für die Ehrfurcht vor dem Menschenleben. Hohes Verantwortungsbewusstsein spricht aus seiner Forderung, der Forscher habe sich Gedanken darüber zu machen, ob das, was er tut, in den Händen anderer missbraucht werden könne.

Nicht nur infolge der beiden Kriege hatte Hahn schwere Schläge zu erdulden. Er hatte 1913 geheiratet. 9 Jahre später wurde ihm ein Sohn geboren, der 1945 an der Ostfront einen Arm verlor. 1960 kamen Sohn und Schwiegertochter bei einem Carunglück ums Leben. Am 28. Juli 1968 stürzte Hahn beim Aussteigen aus einem Car und brach dabei das Genick. Nur 14 Tage später folgte ihm seine Frau in den Tod.

Webdesign & CMS by INM AG