(1821–1888)
Das Problem der Turbinenregulierung hat schon früh eine Rolle gespielt. Als die Turbinen mehrheitlich dem Antrieb einer einzelnen Fabrik dienten, ging es darum, die Turbinenleistung dem Leistungsbedarf anzupassen. Heute, wo die Elektrizitätswerke im Verbund arbeiten, fallen der Regulierung die Aufgaben zu, für konstante Drehzahl und für eine möglichst vollständige Ausnutzung der im Fluss vorhandenen veränderlichen Wassermenge zu sorgen.
Mit besonders grossem Geschick nahm sich Carl Ludwig Fink des Regulierproblems an. In Potsdam geboren am 24. Februar 1821, früh verwaist, machte er eine Lehre in einer Maschinenwerkstätte. An der Gewerbeschule in Potsdam erhielt er dank Fleiss und Wohlverhalten ein Stipendium, das ihm den Besuch des Gewerbeinstitutes ermöglichte, das er als Zivilingenieur verliess. (Das Gewerbeinstitut hiess später Gewerbe-Akademie, und diese wurde 1879 mit der Bauakademie zur Technischen Hochschule Charlottenburg zusammengelegt.) Fink, ein guter Konstrukteur, wurde zuerst Teilhaber einer Maschinenfabrik. 1852 berief ihn das Gewerbeinstitut als Lehrer, und zwei Jahre darauf verlieh es ihm den Professorentitel. Fink las Maschinenkunde (insbesondere hydraulische Motoren) und mechanische Technologie. Neben der Lehrtätigkeit führte er verschiedene Fabrik- und Maschinenanlagen aus und war Mitglied des kaiserlichen Patentamtes.
Von 1855 an baute er Turbinen, wobei er das Regulierproblem zu lösen versuchte. 1878 gelang ihm der grosse Wurf mit den drehbaren Leitschaufeln, mit denen er Turbinenwirkungsgrade von über 80% erzielte. Weniger bekannt ist, dass er bereits damals auch drehbare Laufradschaufeln erwähnte, eine solche Konstruktion aber als zu teuer erachtete.
Fink war auch literarisch tätig. Seine Erfindung der regulierbaren Leitradschaufeln erlangte aber zu seiner Lebzeit keine grosse Bedeutung. Erst mit dem Aufkommen der elektrischen Energieübertragung und der Ausnutzung der Wasserkräfte Anfang dieses Jahrhunderts fanden die Fink'schen Drehschaufeln allgemein Eingang. Sogar bei der Kaplan-Turbine, die erst in den 1920er-Jahren Baureife erlangte, werden bis auf den heutigen Tag stets Fink'sche Drehschaufeln verwendet.
Vielleicht stellt der Voith-Schneider-Schiffantrieb, bei dem Antrieb und Steuerruder in einem einzigen Aggregat vereinigt sind und der in den 1930er-Jahren aufkam, eine Weiterentwicklung aus dem Fink'schen Leitschaufelring dar.