(1788–1873)
Trotz den grundlegenden Arbeiten der Bernoulli und insbesondere von Euler über Wasserkraftmaschinen herrschte bei deren Bau noch lange Zeit die Empirie. Claude Burdin – die Franzosen nennen ihn «Vater der Turbine», da er den von ihm gebauten Maschinen diesen Namen gegeben hatte – kommt das Verdienst zu, solche zu berechnen. Er trachtete danach, stossfreien Eintritt des Wassers in das Turbinenrad und möglichst geschwindigkeitslose Wasserrückgabe zu verwirklichen. Damit erreichte er auf einen Schlag eine Verbesserung des Wirkungsgrades von etwa 50 auf 67%.
Burdin, am 18. Mai als Savoyard in Lépin geboren, besuchte in Frankreich die Ecole polytechnique und die Ecole des mines. Er arbeitete dann in verschiedenen Stellungen im Service des mines, wo er bis zum Direktor aufstieg. 1817 naturalisierte er sich in Frankreich, nachdem er Professor an der Ecole des mines in St-Etienne geworden war. 1822 liess er die erste Turbine nach seinen Plänen bauen, die er in der Folge noch verbesserte. Fourneyron, einer seiner Schüler, entwickelte die Konstruktion weiter.
Später wandte sich Burdin, allerdings mit weniger Erfolg, andern Problemen zu. Er wollte den Abtransport der Kohlen aus den Minen verbilligen. Da sich in England Dampfwagen auf den schlechten Strassen nicht bewährt hatten und er den Bau von Eisenbahnen zu diesem Zweck nicht als lohnend ansah, liess er in Chaillod ein mit Dampf betriebenes Gerät bauen, das zwar die Strassen benützte, aber abwechslungsweise zwei mitgeführte Schienenstücke befuhr. Mit dieser Einrichtung wollte er 15 t Kohle samt dem für den Transport nötigen Kohlenvorrat an einem Tag etwa 80 km weit befördern. Das Vorhaben kam aber nicht über eine Versuchsausführung hinaus, wobei Burdin viel Geld verlor.
1842 wurde Burdin korrespondierendes Mitglied der Académie des Sciences und kurz darauf Chevalier der Légion d'honneur. Noch einmal machte er von sich reden, als er nach vielen Studien (die bis ins Jahr 1836 zurückgingen) 1864 vorschlug, für den Maschinenantrieb statt Wasserdampf hochkomprimierte Heissluft zu verwenden. Dabei dachte er an ähnlich wie Ventilatoren gebaute mehrstufige Gasturbinen. Doch dieser Vorschlag war seiner Zeit weit voraus. Burdin, kinderlos verheiratet, starb am 12. November 1873 in Clermont-Ferrand.