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Freiherr Jöns Jakob von Berzelius




(1779–1848)

Heute weiss jedes Kind, was H2O, CO2 bedeuten, und auch wir Elektriker brauchen fast täglich Formelzeichen wie 235U, SF6 usw. Man kann sich nur schwer vorstellen, welch ein Chaos von Bezeichnungen in der Chemie herrschte, bevor der Schwede Berzelius die uns so vertrauten und praktischen Formelzeichen einführte.

Berzelius, der am 20. August 1779 in Väfversunda auf Gotland als Sohn eines Pfarrers und Lehrers zur Welt kam, verlebte eine recht schwere Jugend. Mit 4 Jahren verlor er den Vater, dann heiratete die Mutter wieder, doch starb sie im gleichen Jahr. Später heiratete der Stiefvater wieder, und weil dann 8 Kinder im Hause lebten, musste Jöns, als Ältester, zu Fremden. Damit er das Gymnasium in Linköping besuchen konnte, musste er bei Bauern arbeiten und mit Stundengeben Geld verdienen. Dank Stipendien konnte er an der Universität Uppsala Medizin und später Chemie studieren. Nach bestandenen Examen musste er ohne Gehalt am Spital in Stockholm arbeiten und auch den Hofarzt vertreten.

In dieser Zeit baute er sich eine riesige Volta'sche Säule, mit der er Versuche anstellte über die Wirkungen des elektrischen Stroms. 1806 wurde er Lektor und ein Jahr später Professor für Chemie an der Universität Stockholm. Er richtete als einer der Ersten Laboratorien für die Studenten ein, verfasste ein Lehrbuch der Chemie, worauf er 1808 als Mitglied in die Akademie der Wissenschaften aufgenommen wurde.

Bis über das Ende des 18. Jahrhunderts hinaus verwendete praktisch jeder Chemiker seine eigenen Zeichen für die Elemente, da gab es Kreuze, Kreise, Halbmonde, Rechtecke, Kronen, Dreiecke, überhaupt Figuren aller Art, was natürlich die Verständigung sehr erschwerte. 1811 führte dann Berzelius die aus einem oder zwei Buchstaben bestehenden, heute noch gebräuchlichen Symbole ein, deren Vorteile darin bestehen, dass auch Verbindungen, Mengenverhältnisse angegeben sowie auch chemische Vorgänge dargestellt werden können.

Er entdeckte die Elemente Cer, Thor, Selen und Silizium, bestimmte viele Atomgewichte, erklärte mit seiner Theorie der Elektrochemie die chemischen Affinitäten. Ausser dem Chemiebuch gab er von 1822 bis 1848 27 Bände der «Jahresberichte über die Fortschritte in Physik und Chemie» heraus. Ausser dem Schwedischen beherrschte er Deutsch, Französisch und Englisch, unternahm zweimal grosse Reisen durch ganz Europa und kannte viele berühmte Wissenschaftler wie Davy, Arago, Biot, Ampère, Laplace, aber auch Alexander von Humboldt sowie Goethe.

Anlässlich der Krönung Karls XIV. Johann zum König der Schweden wurde Berzelius 1818 geadelt und am Tage seiner Hochzeit anno 1835 in den Freiherrenstand erhoben.

Berzelius war oft leidend. 1832 suchte er um seine Entlassung nach. Neuralgien und später Gicht plagten ihn derart, dass er seine letzten Lebensjahre im Rollstuhl verbringen musste. Er starb am 7. August 1848 in Stockholm.

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