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Sigmund Bergmann




(1851–1927)

Weil es als gute Empfehlung galt, bei ihm gearbeitet zu haben, und man bei ihm viel Neues lernen konnte, bewarben sich viele junge Leute bei Edison um Arbeit. So zum Beispiel die Amerikaner Brush und Sprague, der Engländer Weston, der Deutsche Schuckert und die Schweizer Krüsi, Schiesser, Thury und Turettini.

Sigmund Bergmann aber wurde von Edison einem kleinen Mechaniker in New York abgeworben. Bergmann war 1869/70 nach Amerika ausgewandert. Als Edison in einer kleinen Werkstätte – wo übrigens auch Schuckert tätig war – etwas anfertigen liess, fiel ihm Bergmann seiner sauberen Arbeit wegen auf. Bei Edison kam er rasch voran; er zeichnete sich durch seinen Sinn für praktische Lösungen und ein sicheres Gefühl für gute Formen aus.

Anlässlich der Verlegung von Edisons Betrieb nach Menlo Park machte sich Bergmann selbstständig und eröffnete in der Woosterstreet in New York ein eigenes Geschäft. Er erhielt von Edison laufend Aufträge; fabriziert wurden Klingelanlagen, Telegrafenapparate und später auch Phonografen.

1877 heiratete er in New York eine Deutsche, die ihm einen Sohn und drei Töchter gebar.

1879 erfand Edison die Glühlampe. Um sie anwenden zu können, musste man sie handhabbar machen, denn das war der Glaskolben mit den 2 herausstehenden Drähten keineswegs. Bergmann wurde zu Rate gezogen und war am Entwurf des Lampensockels, der Fassung, aber auch der Drehschalter und Steckdosen massgebend beteiligt. Schon 1880 trat Edison als Teilhaber in Bergmanns Firma ein, die von da ab «Bergmann & Co.» hiess.

Bergmann schlug anstelle der Rollenmontage vor, die Drähte in Rohre zu verlegen, die man sowohl über als auch unter Putz installieren konnte. Sie bestanden aus einem dünnen Messingrohr, das im Innern eine Papierisolation trug: das Bergmann-Rohr, das in leicht modifizierter Form bis auf den heutigen Tag im Gebrauch steht. Auch das Rohrbiegeverfahren geht auf ihn zurück.

Durch einen Freund schickte Bergmann ein Muster des Isolierrohrs nach Deutschland und bat ihn, es Rathenau und Schuckert, der inzwischen wieder in seine Heimat zurückgekehrt war, zu zeigen. Während Rathenau nichts davon wissen wollte, bestellte Schuckert gleich 30 000 Meter.

Bergmann entwickelte darauf Maschinen zur Fabrikation der Isolierrohre und richtete wenige Jahre später eine neue, 8-stöckige Fabrik ein, in der die verschiedenen Installationsmaterialien hergestellt wurden. 1883 gab er die erste elektrotechnische Preisliste heraus. Unter den Lampen umfasste sie von einfachen Wandarmen und Stehlampen alles bis zu Luxus- und Kronleuchtern mit bis 130 Glühlampen!

Die in der Anfangszeit üblichen Bleidraht-Sicherungen erzeugten beim Ansprechen grosse Lichtbogen und warfen zudem glühende Bleitropfen aus. Sie waren deshalb für Haushaltungen unbrauchbar. Edison und Bergmann schufen auch hier Abhilfe, indem sie feine, in Quarzsand eingebettete Silberdrähte verwendeten und das Ganze in einen Hohlkörper aus Zement einschlossen.

1889/90 ging die Firma Bergmann & Co. in der Edison General Electric Co. auf. Bergmann liess sich seinen Anteil auszahlen und kehrte nach Deutschland zurück. 1891 gründete er in Berlin die «S. Bergmann & Co. AG, Fabrik für Isolier- und Leitungsrohre». Zwei Jahre später kam das «Bergmann Elektromotoren- und Dynamowerk» hinzu. Die beiden Unternehmen wurden im Jahre 1900 zur «Bergmann Elektrizitätswerk AG» vereinigt. In der Folge gründete Bergmann wieder zahlreiche Tochtergesellschaften. Seine Betriebe fabrizierten mit der Zeit praktisch alles, von den Dampfturbinen über Generatoren, Kabel bis zu den Glühlampen. Durch eine rücksichtslose Preispolitik gelang es ihm, einen grossen Marktanteil an sich zu reissen. Aber 1911 geriet sein Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten, die nur Dank Mitwirkung des Hauses Siemens überwunden werden konnten.

Sigmund Bergmann, der am 9. Juni 1851 in Tennsted bei Mühlhausen (Thüringen) als Sohn eines Lohgerbermeisters geboren worden war, starb am 7. Juli 1927 in Berlin.

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