Startseite  |  Verband  |  Bulletin SEV/VSE  |  Pioniere der Elektrotechnik  |  StruttJ
druckenSeite drucken

John William Strutt / Lord Rayleigh




(1842–1919)

Obwohl Lord Rayleigh keine Erfindungen gemacht und ausser dem Edelgas Argon nichts entdeckt hat, ist er doch den grossen Physikern zuzuzählen. John William Strutt wurde am 12. November 1842 in Langford Grove (Essex) geboren. Seiner schwächlichen Konstitution wegen musste er der Schule oft längere Zeit fernbleiben. Im Herbst 1861 kam er ans Trinity College in Cambridge; er studierte Mathematik und arbeitete sich bis zur Graduierung zum Besten empor. Sowohl seine schriftlichen Arbeiten als auch sein mündlicher Ausdruck zeichneten sich durch Einfachheit und eine bestechende Klarheit aus.

Jugendliebhabereien Strutts waren die Chemie, Magnete und die in den Kinderschuhen steckende Fotografie. Darum besuchte er nach dem Studium zuerst einen Kurs über chemische Analysen. Während der folgenden Jahre befasste er sich vorwiegend mit Licht, Farben und mit Elektrizität. 1869 erschien sein erster wissenschaftlicher Bericht über «einige elektromagnetischen Phänomene, betrachtet in Verbindung mit der dynamischen Theorie». Mit der «dynamischen Theorie» war diejenige von J. C. Maxwell gemeint, über die dieser Ende 1864 berichtet hatte. Strutt baute in seiner Arbeit die komplizierten Gleichungen Maxwells etwas um und kleidete den Text in eine einfachere, klarere und damit besser verständliche Form. 1877/78 entstand Strutts Buch «Theorie der Akustik», das noch 1956 einen Neudruck erfuhr.

Mit 29 Jahren heiratete Strutt Evelyn Balfour, eine Schwester des nachmaligen Premierministers. Zur Ausheilung einer heftigen Rheumaerkrankung des Mannes machte das junge Paar eine Reise nach Griechenland und Ägypten. Kurz nach der Rückkehr starb Strutts Vater, was zur Folge hatte, dass John William, als ältester Sohn, zum 3. Baron of Rayleigh wurde und auf den Familiensitz Terling Place in Witham (Essex) zog.

1873 wählte ihn die Royal Society zum Fellow, und zwei Jahre später wurde er Mitglied des Oberhauses. Politik interessierte ihn aber nicht stark, ebenso wenig wie seine geerbten Ländereien, deren Bewirtschaftung er seinem jüngern Bruder überliess.

1879 starb Maxwell, und Lord Rayleigh wurde dessen Nachfolger als Professor der Physik sowie als Direktor des Cavendish Laboratoriums in Cambridge. In dieser Eigenschaft setzte er sich für eine Neudefinition der elektrischen Einheiten ein. Nach 5 Jahren bat er um seine Entlassung, um sich in seinem Privatlabor wissenschaftlichen Arbeiten zu widmen. Daneben übernahm er als Nachfolger Stokes den Posten des Sekretärs der Royal Society sowie 3 Jahre darauf die Professur für Naturphilosophie der Society.

Bei Experimenten zur Bestimmung der Dichte von Gasen fand Rayleigh, der atmosphärische Stickstoff müsse eine Mischung von reinem Stickstoff mit einem schwereren Gas sein. Zusammen mit Sir William Ramsey entdeckte er 1894 dieses schwerere Element, das Edelgas Argon. 1904 erhielten beide dafür den Nobelpreis. Rayleigh war es auch, der die blaue Farbe des Himmels erklärte. Nach dem Tod von Lord Kelvin im Jahre 1907 galt er als unbestrittener Führer der englischen Physik. Er wurde Geheimer Staatsrat und Kanzler der Universität Cambridge sowie Präsident einer Kommission für Aeronautik. Von 1905 bis 1908 amtete er als Präsident der Royal Society.

Vielseitig interessiert, wie immer, arbeitete er bis 5 Tage vor seinem Tod, der am 30. Juni 1919 in Witham eintrat. Er wurde in der Westminster Abbey beigesetzt.

Webdesign & CMS by INM AG