(1819–1903)
Rotierende Maschinen sind im Verlauf der Jahrzehnte grösser, leistungsfähiger und ausgeklügelter geworden. Eines aber ist geblieben: Man muss sie schmieren.
Dem Iren Stokes kommt das Verdienst zu, die Bedeutung der Viskosität der Schmiermittel erkannt und Methoden zu ihrer Messung angegeben zu haben. Er kam am 11. August 1819 in Skreen, einem kleinen Ort an der Nordwestküste Irlands, als achtes Kind des dortigen Rektors zur Welt. Mit 12 Jahren kam er an eine Privatschule in Dublin, 1835 ans Bristol College und 2 Jahre später ans Pembroke College in Cambridge. In Mathematik der Beste seines Jahrgangs, übertrug man ihm 1845 die Herausgabe des «Cambridge Mathematical Journal». Von 1849 bis zu seinem Tode wirkte Stokes als Mathematikprofessor in Cambridge.
Schon im ersten Jahr entwickelte er eine fieberhafte Tätigkeit, bei der er vor allem physikalische Probleme behandelte und auch Experimente anstellte. Die Untersuchungen über die Bewegung zäher Flüssigkeiten führten zum bekannten Stokes'schen Gesetz. Dieses half nicht nur, Schmierprobleme zu lösen, den Reibungswiderstand von Schiffen zu bestimmen, sondern diente unter anderem Millikan bei der Bestimmung der Ladung des Elektrons (Tröpfchenmethode). Stokes Berechnungen über die Ausbreitung von Wellen sind so allgemein gefasst, dass sie auch für elektrische Vorgänge gelten. Dank einer Arbeit über Variationen der Schwerkraft auf der Erde wurde er Berater des Geodätischen Dienstes Indiens. Auf akustischem Gebiet erkannte er, dass Wasserstoff den Schall schlecht leitet.
Beim Experimentieren mit ultravioletten Strahlen fand er, dass Quarz für diese durchlässiger ist als Glas (Anwendung: Quarzlampe). Er entdeckte auch die Fluoreszenz, wofür er 1852 die Rumford-Medaille zugesprochen erhielt.
In Cambridge Professor zu sein, bedeutet eine grosse Ehre. Aber diese Herren waren sehr schlecht bezahlt. Stokes, der 1857 die Tochter eines Astronomieprofessors geheiratet hatte und von ihr mit zwei Söhnen und einer Tochter beschenkt worden war, musste sich, als die Kinder grösser geworden waren, nach vermehrten Einkünften umsehen. Er übernahm daher zusätzliche Lehrverpflichtungen an der School of Mines (Bergbauschule), hielt Vorlesungen in Aberdeen und besorgte in Cambridge das Universitätssekretariat.
Stokes amtete von 1854 bis 1885 als Sekretär und von da an bis 1890 als Präsident der Royal Society. Sein Nachfolger war Lord Kelvin, mit dem er seit seiner Studienzeit eng befreundet war. Als Vertreter Cambridges sass Stokes von 1887 bis 1891 im Parlament. 1889, am 6. Juli, wurde er zum Baronet ernannt. 10 Jahre später konnte er das Jubiläum seines 50-jährigen Wirkens als Professor feiern. Aber im gleichen Jahr verlor er seine Frau.
Stokes war sehr vorsichtig im Veröffentlichen von Arbeiten und im Ziehen von Schlüssen. Als er kurz nach Röntgens Entdeckung die neue Strahlung als eine elektromagnetische interpretierte, fand sein Urteil volle Beachtung.
Am 1. Februar 1903 starb Stokes. Seine Tochter, Mrs. Lawrence Humphrey, schrieb seine Biografie.