(1877–1956)
Soddy hat auf dem Gebiete der Isotopenforschung Grosses geleistet und damit auch für die Entwicklung der Kernenergie gewirkt. Wenn er bei uns wenig bekannt ist, hängt das damit zusammen, dass er sich schon mit wenig mehr als 45 Jahren der Wissenschaft entfremdete.
Fredrick Soddy wurde am 2. September 1877 als siebentes Kind eines erfolgreichen Kornhändlers in Fastbourne an der Kanalküste geboren. Schon am College erkannte er seine Neigung zur Chemie und studierte dann diese Wissenschaft in Oxford. Als in Toronto die Stelle eines Chemieprofessors ausgeschrieben war, meldete er sich und reiste kurzentschlossen dorthin, hatte aber keinen Erfolg. In Montreal nahm er dann eine schlecht bezahlte Stelle als Vorlesungsassistent an. Im September 1900 begegnete er dort Rutherford, und es entwickelte sich eine etwa 2-jährige sehr erfolgreiche Zusammenarbeit, der eine Physiker, der andere Chemiker. Sie beschäftigten sich mit den neu entdeckten radioaktiven Substanzen und berichteten in einer Reihe von gemeinsamen Publikationen über ihre Versuche. Sie erkannten als Erste, dass der radioaktive Zerfall nicht auf molekulare, sondern auf atomare oder subatomare Vorgänge zurückzuführen ist.
1903 verliess Soddy Kanada, um in London mit Professor Ramsay zu arbeiten. Diesen beiden Forschern gelang der Nachweis, dass beim Zerfall von Radium-Emanation Alphateilchen (Helium) entstehen. Schon im folgenden Frühling verpflichtete sich Soddy zur Übernahme einer ausserordentlichen Professur an der Universität Glasgow. Vorher unternahm er eine Vortragsreise durch Westaustralien, benützte aber die Gelegenheit, Ceylon, Neuseeland, Honolulu, den Grand Canyon sowie die Weltausstellung von 1904 in St. Louis zu besichtigen.
Neben seinen Forschungen hielt er in Glasgow viele öffentliche Vorträge mit Demonstrationen. Als in aller Welt immer neue radioaktive Elemente entdeckt wurden, schien es, als ob das periodische System seine Gültigkeit verloren hätte, denn es gab darin keine freien Plätze mehr. Soddy fand die Lösung des Problems. Es gab nämlich Elemente mit verschiedenen Atomgewichten, die man chemisch nicht trennen konnte. Soddy hatte den Mut zu erklären, diese «untrennbaren» Stoffe seien chemisch identisch, und nannte sie Isotope. Verschiedene Plätze im periodischen System konnten daher durch Isotope mehrfach belegt sein.
Soddy, der 1908 eine Grossnichte Lord Kelvins geheiratet hatte, wurde 1910 zum Fellow der Royal Society ernannt. Um diese Zeit zeigte er auch, dass die Kernladungszahl bei Betazerfall um eine Einheit steigt, während sie beim Alphazerfall um zwei Einheiten sinkt.
Während des Ersten Weltkriegs hatte Soddy für die Kriegswirtschaft zu arbeiten. Nachher wurde er als Professor nach Oxford berufen, und 1921 erhielt er den Nobelpreis für Chemie.
Um diese Zeit wandte sich Soddy mehr und mehr von der Wissenschaft ab und befasste sich mit soziologischen und religiösen Fragen, die schon im Elternhause eine Rolle gespielt hatten. Sozialkritische Arbeiten, zum Beispiel «Der Schiffbruch einer wissenschaftlichen Epoche» und ähnliche Themen, trugen ihm heftigen Widerspruch seiner Kollegen ein.
1936 starb plötzlich seine Frau. Im Jahre darauf unternahm er dann eine lange Reise nach Indien. Dann wurde es still um ihn. In seinen alten Tagen machte er jungen Leuten grosszügige Geschenke. 79-jährig starb er am 26. September 1956 in Brighton, nur etwa 20 km von seinem Geburtsort entfernt.