(1852–1914)
In den Jahren 1884/85 publizierte Poynting seine beiden grossen Arbeiten, betitelt «On the transfer of energy in the electromagnetic fleld» und «On the connexion between electric current and the electric and magnetic induction in the surrounding fleld». Darin stipulierte er den später nach ihm benannten «Energie-Vektor», der senkrecht zum elektrischen sowie zum magnetischen Feld steht. Dessen Grösse ist gleich dem Produkt aus den beiden Feldstärken. Nach Poynting bewegt sich die elektrische Energie nicht im Leiter, sondern im ihn umgebenden Feld.
Die beiden Arbeiten fanden nur im Kreise von Wissenschaftlern Beachtung und gerieten beinahe in Vergessenheit. An der ETH z.B. erwähnte Prof. Dr. Kuhlmann den Poynting-Vektor in seiner 1920/21 herausgekommenen Autografie gewissermassen als Kuriosum ganz am Schluss. Auch heute ist die Bedeutung des Poynting-Vektors noch nicht in allen Teilen abgeklärt.
Poynting, Sohn eines Pfarrers, wurde am 9. September 1852 in Monton bei Manchester geboren. Zuerst unterrichtete ihn sein Vater, später besuchte er das Owens-College in Manchester (heute Universität), die Universität London und das Trinity College in Cambridge. 1876 erhielt er den Doktorgrad, verbunden mit der Auszeichnung als bester Mathematiker seines Jahrgangs. Im Cavendish-Laboratory begann er unter Maxwell Berechnungen über die Gravitationskonstante und über die mittlere Dichte der Erde. Diese Untersuchungen führte er auch fort, nachdem er 1880 als Physikprofessor ans neu gegründete Mason College (heute Universität Birmingham) gewählt worden war. Im gleichen Jahr heiratete er; dem Paar wurden ein Sohn und zwei Töchter geschenkt.
In den 1880er-Jahren entstanden dann die eingangs erwähnten Arbeiten, für die ihm Cambridge den Science-Doctor und die Royal Society den Fellow-Titel verlieh. Im Verlauf der Jahre erhielt der vielseitige Gelehrte noch verschiedene Preise. Von seinen spätern Arbeiten sei noch der Nachweis der Existenz des Strahlungsdruckes erwähnt. Poynting, ein beliebter und erfolgreicher Lehrer, blieb bis zu seinem am 30. März 1914 erfolgten Tod an der Universität Birmingham. Neben seinen akademischen Pflichten hatte er eine Zeit lang das Amt eines Friedensrichters bekleidet. Über lange Jahre war er ferner Präsident der Gartenbau-Gesellschaft Birmingham.