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Cecil Frank Powell




(1903–1969)

Cecil Frank Powell wurde am 5. Dezember 1903 in Tenbridge (Kent) als Sohn eines Büchsenmachers geboren. Wegen eines Schiessunfalls wurde sein Vater zivilrechtlich verfolgt, wodurch die Familie in grosse finanzielle Not geriet. Der junge Powell, der sich schon früh für Naturwissenschaften interessiert hatte, konnte dann aber dank Stipendien in Cambridge studieren. Im Cavendish-Laboratorium machte Powell unter Professor Wilson, dem Erfinder der nach ihm benannten Nebelkammer, im Jahre 1927 sein Doktorexamen. Im Jahre darauf zog er als Forschungsassistent von Prof. A. M. Tyndall an die Universität Bristol, wo er sich bald als Dozent etablierte.

1932 heiratete er, und als die erste Tochter kam, war er drauf und dran, eine besser bezahlte Stelle in der Industrie anzunehmen. Seine Frau hielt ihn von diesem Schritt ab, weil sie fühlte, dass ihr Mann bei jener Tätigkeit keine Befriedigung fände.

Der Wilson-Kammer, die dazu dient, Elementarteilchen-Umwandlungen kurzlebiger Teilchen nachzuweisen, haftete der Fehler an, dass die Teilchenspuren nur während der Expansion des Gases, also nur äusserst kurzzeitig, sichtbar blieben. Während Powell am Projekt einer grössern Nebelkammer arbeitete, berichteten deutsche Physiker über Versuche, Teilchenspuren direkt auf fotografischen Platten zu erzeugen. Powell stellte sofort auch solche Versuche an, baute besondere Kassetten und setzte darin verpackte Platten auf Meereshöhe und auf dem Jungfraujoch der kosmischen Strahlung aus. Er erkannte aber bald, dass die Empfindlichkeit des Fotomaterials viel zu gering war. Nach dem Krieg veranlasste er dann die Industrie, empfindlichere Emulsionen herzustellen.

Seit der Japaner Yukawa 1935 aufgrund theoretischer Überlegungen die Existenz eines neuen Elementarteilchens, eines Mesons mit einer etwa 200-mal grösseren Masse als die des Elektrons vorausgesagt hatte, wurde in aller Welt nach diesem Teilchen gesucht. Zwar fand man Mesonen, aber deren Eigenschaften entsprachen nicht den Voraussagen. Mithilfe des neuen Fotomaterials entdeckte dann Powell im Jahre 1947 die Spuren eines Teilchens, das dem gesuchten voll entsprach. Seine Masse war 273-mal grösser als die des Elektrons. Es ist sehr kurzlebig, zerfällt es doch in wenigen 10–8 Sekunden in ein Mikro-Meson (Myon) mit einer Masse von 206 Elektronenmassen und andere Partikel. Solche Myonen hatte man früher beobachtet.

In den folgenden Jahren verbesserte Powell die neue Messmethode. Er löste die Fotoschichten von den Glasplatten, stapelte 100 und mehr solcher Folien aufeinander und exponierte die ganzen Pakete der Strahlung. Nachher zerlegte er die Stapel wieder, entwickelte die Folien und liess diese dann durch Dutzende von angelernten Mädchen mikroskopisch nach Spuren untersuchen. Die Pakete mit den Filmfolien liess man mit Ballonen in die Stratosphäre emportragen. Powell organisierte unter mehr als 20 Universitäten eine Zusammenarbeit, sodass innert kurzer Zeit viel Material ausgewertet und die Kosten auf verschiedene Partner verteilt werden konnten.

Powell, der seit 1946 Professor der Physik an der Universität Bristol war, erhielt für seine Entdeckung im Jahre 1950 den Nobelpreis und daneben viele andere Ehrungen, worunter als erstem Westeuropäer eine Goldmedaille der UdSSR. Als die Wasserstoffbombe erfunden wurde, machte er sich grosse Sorgen um die Zukunft der Menschheit und unterschrieb das Russell-Einstein-Manifest. Er war Mitbegründer und später Präsident der Pugwash-Bewegung. Von 1961 bis 1964 amtete er als Präsident des CERN in Genf. Anfang 1969 trat er in den Ruhestand, aber noch im gleichen Jahr, am 9. August, als er mit seiner Frau in Italien in den Ferien weilte, ereilte ihn plötzlich der Tod.

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