(1854–1931)
Parsons, der Erfinder der Dampfturbine, wurde am 13. Januar 1854 in London geboren. Aufgewachsen ist er auf Birr Castle bei Parsonstown, dem Familiensitz im Herzen Irlands. Berühmte Gelehrte waren seine Privatlehrer. Nach dem Besuch des Trinity Colleges in Dublin kam er 1873 ans St. John's College in Cambridge. Weil es dort keine Ingenieurschule gab, studierte er Mathematik und Mechanik. Anschliessend an die 1877 erfolgte Graduierung arbeitete er bis 1884 in verschiedenen Maschinenfabriken, dann wurde er Teilhaber einer solchen, wo er die neu gegründete elektrische Abteilung zu übernehmen hatte.
Die kleinen Dynamos, die fabriziert wurden, waren meist mit Riemen vom Schwungrad einer Kolbendampfmaschine angetrieben. Das passte Parsons nicht, und er suchte nach einer Maschine, mit der die Dynamos direkt angetrieben werden konnten. Da sich bei einstufiger Expansion und bei den üblichen Dampfdrücken extrem hohe Drehzahlen ergeben hätten, unterteilte er die Expansion des Dampfes in mehrere Druckstufen, wodurch es ihm gelang, niedrigere Drehzahlen zu erzielen. Da er auch eine Reihe anderer Konstruktionsprobleme sorgfältig löste, ergab schon die 1884 auf den Markt gebrachte patentierte Gruppe mit einer Leistung von 7,5 kW bei 18000 T/min befriedigende Ergebnisse. Innert 4 Jahren wurden etwa 200 solche Turbogruppen, vorwiegend für Schiffsbeleuchtungen, geliefert.
1889 gründete Parsons in der Nähe von Newcastle upon Tyne ein eigenes Unternehmen. Im Januar 1890 kam die erste stationäre 75-kW-Gruppe für die Elektrizitätsversorgung in Newcastle in Betrieb. Andere Städte folgten mit immer steigenden Einheitsleistungen. 1892 verliess die erste Turbine mit Kondensation das Werk. 1900 baute er Turbinen mit 1000 kW Leistung, 1923 erreichte er 50 MW. Aber auch beim Bau der Dynamomaschinen machte er Fortschritte. Während die ersten Maschinen den Strom mit einer Spannung von 2000 V lieferten, steigerte er die Spannung 1905 auf 11, 1928 auf 36 kV.
Von 1894 an befasste er sich mit Schiffsantrieben. Ein besonders für Versuche gebautes Schiff mit einer Wasserverdrängung von 40 t erreichte eine Geschwindigkeit von 44 Knoten, was wesentlich mehr war als die 27 Knoten der schnellsten Zerstörer der Marine. Kein Wunder, dass Parsons' Fabrik überhäuft wurde mit Aufträgen für Schiffsturbinen. Von 1901 an wurden auch Frachtschiffe und Passagierdampfer für den Überseeverkehr mit Trubinenantrieben ausgerüstet. Nach dem Ersten Weltkrieg machte sich die Konkurrenz des Dieselantriebs bemerkbar. Eine Zeit lang gelang es ihm, sich zu behaupten, indem er zu höhern Dampfdrücken überging und zwischen die Turbine und die Schiffspropeller ein Reduktionsgetriebe schaltete. Parsons interessierte sich auch für die Optik. Er übernahm verschiedene Betriebe, in denen optische Geräte wie Feldstecher, Scheinwerferreflektoren, Teleskope usw. hergestellt wurden. Auch optisches Glas fabrizierte er. Parsons besass etwa 300 Patente und galt als Englands originellster Ingenieur seiner Zeit. Im Verlaufe der Jahre wurden ihm viele Ehrungen zuteil, Ehrenmitgliedschaften wissenschaftlicher Gesellschaften, Ehrendoktorate und zahlreiche Medaillen. Im Jahre 1911 wurde er geadelt. Seiner 1883 geschlossenen Ehe entsprossen ein Sohn und eine Tochter. Der Sohn fiel 1918 im Krieg. Neben seinem Beruf war Sir Charles Algernon Parsons ein begeisterter Fischer. Trotz seinen Erfolgen lebte er zurückgezogen und war in Gesellschaft eher scheu. Er starb am 11. Februar 1931 auf einer Reise nach Jamaika an Bord des Dampfers.