(1853–1932)
Wilhelm Ostwald war nicht nur ein sehr erfolgreicher Chemiker – er erfand 1900 die Ammoniaksynthese, und für seine Forschungen auf dem Gebiet der Katalyse wurde ihm 1909 der Nobelpreis für Chemie zugesprochen –‚ sondern betätigte sich wissenschaftlich und literarisch auf vielen Gebieten. Er schrieb viele Bücher und Lehrbücher über Chemie, physikalische Chemie, Elektrochemie, ein Handbuch zur Ausführung physikalisch-chemischer Messungen, 1887 gründete er die Zeitschrift für Physikalische Chemie und 1903 die Annalen der Naturphilosophie. Von 1889 an gab er die Sammlung «Klassiker der exakten Naturwissenschaften» heraus (gegen 200 Bände).
Am 21. August 1853 als Sohn eines Küfermeisters in Riga geboren, durchlief er die Schulen seiner Vaterstadt und studierte an der Universität Dorpat Chemie. Mit 24 Jahren habilitierte er sich dort, und im Jahre darauf erwarb er den Doktorgrad. Nachdem er kurze Zeit Professor für Chemie und für physikalische Chemie am Polytechnikum Riga gewesen war, kam er 1887 in gleicher Eigenschaft an die Universität Leipzig. 10 Jahre später wurde er Direktor des Physikalisch-chemischen Instituts. Im Wintersemester 1904/05 wirkte er als Austauschprofessor an der Harvard University in Cambridge (USA). Erst 53-jährig, im Jahre 1906, zog er sich in den Ruhestand zurück, um sich wissenschaftlichen und literarischen Arbeiten zu widmen.
In der Folge entstanden u.a. folgende Werke: Leitlinien der Chemie, Prinzipien der Chemie, Erfinder und Entdecker, Grundriss der Naturphilosophie, Die Energie, Werdegang einer Wissenschaft, Grosse Männer.
Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs verunmöglichte es ihm, seine bisherigen Tätigkeiten fortzuführen. Er begann daher 1915 mit etwas völlig anderem. Er machte sich daran, für die Praxis eine messende, exakte Farbenlehre auszuarbeiten, also etwas ganz anderes, als vor ihm zahlreiche Forscher getan hatten (Newton 1667, Huygens 1687, Goethe 1810, Young 1814, Fraunhofer 1822, Helmholtz 1853 und Maxwell 1865).
Ostwald stellte sich die Aufgabe, Ordnung in die unendlich grosse Zahl der Farben und Mischfarben zu bringen. Sein auch heute ab und zu noch verwendetes Farbensystem besteht aus einem Doppelkegel. Auf dessen Umfang sind die reinen, bunten Farben (Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau und Violett) aufgetragen, während auf der Achse, von der untern Spitze (Schwarz) bis zur obern Spitze (Weiss) alle Grautöne angeordnet sind. Jeder Farbton kann in diesem System durch drei Zahlen (Winkel, Radius und Höhe eindeutig angegeben und somit reproduziert werden. Solche Festlegungen spielen in der Beleuchtungstechnik, z.B. bei Röhrenlampen, eine Rolle, wenn es gilt, bestimmte Farben richtig wiederzugeben.
In neuerer Zeit sind neben dem Ostwald'schen System auch andere Farbordnungen entstanden. Ostwald war aber der Erste, dem es gelang, auch alle Farbmischtöne systematisch einzuordnen.
Ostwald hatte 1880 geheiratet. Sein älterer Sohn wurde ebenfalls Chemiker, der jüngere wissenschaftlicher Mitarbeiter bei I.G. Farben. Wilhelm Ostwald starb am 4. April 1932 in Leipzig.