(1868–1953)
Von den vielen Elementarteilchen, die man heute kennt, kommt dem Elektron als Träger der negativen Elementarladung besondere Bedeutung zu. Millikan gelang es, diese Ladung zu bestimmen. Für diese Leistung und für die fotoelektrische Bestimmung des Planck'schen Wirkungsquants erhielt er im Jahre 1923 den Nobelpreis.
Robert Andrews Millikan war der Sohn eines Pfarrers schottischer Abstammung. Er kam am 22. März 1868 in Morrison (Illinois) zur Welt. Er besuchte das College zu Oberlin und studierte zunächst Griechisch. Als 20-Jähriger musste er für einen erkrankten Lehrer einspringen und Physikunterricht erteilen. Dies machte ihm derart Spass, dass er sich entschloss, an der Columbia-Universität in New York Physik zu studieren. 1893 wurde er Master, 2 Jahre später erhielt er den Doktorgrad. Er ergänzte dann sein Wissen durch Studien an den Universitäten Berlin und Göttingen und erhielt 1896 eine Assistentenstelle an der Universität Chicago.
1902 heiratete er. Den Eheleuten wurden 3 Söhne geschenkt, die alle Hochschulkarrieren machten. Millikan verfasste mehrere Lehrbücher über Mechanik, Molekularphysik, Wärme, Schall und Licht sowie über Elektrizität. 1906 begann er mit Versuchen zur Bestimmung der Elementarladung, die sich über mehr als 6 Jahre hinzogen. Er beobachtete die Sinkgeschwindigkeit feinster Öltröpfchen, denen Ionen angelagert worden waren, in einem dem Schwerefeld entgegenwirkenden elektrischen Feld. Die festgestellten Ladungen ergaben stets ein Vielfaches einer kleinsten Ladung, und diese ermittelte er zu e = 1,6 mal 10-19 Coulomb.
1910 ernannte ihn die Universität Chicago zum ordentlichen Professor. Sein Interesse galt von da ab den von Einstein und Planck entwickelten neuen Theorien. Ferner erforschte er im Spektrum der elektromagnetischen Wellen den Bereich zwischen den Röntgenstrahlen und dem Ultravioletten. 1921 folgte er einem Ruf ans California Institute of Technology, wo er u.a. von Ballonen und Tauchgeräten aus Intensitätsmessungen der Höhenstrahlung machte. Er vermutete, diese Strahlung komme von Stellen im Universum, wo Materie neu entstehe. Tief religiös, wie er war, sah er solche Vorgänge als Beweis dafür an, dass der Schöpfer noch am Werke sei.
Den USA diente er lange Zeit als Mitglied des Wissenschaftsrates, der einerseits für die Koordination der wissenschaftlichen Aktivitäten der verschiedenen Regierungsstellen, anderseits für die Erfüllung des vom nationalen Forschungsrat aufgestellten Programms zu sorgen hatte. Kurz nach dem Weltkrieg wurde Millikan emeritiert, blieb aber als Vizepräsident des Kuratoriums des Norman Bridge Laboratoriums der Forschung verbunden.
Nach mehrmonatiger Krankheit verschied Millikan, 2 Monate nach dem Tode seiner Frau, am 19. Dezember 1953 in Pasadena. Mit seinem Tode verlor die Wissenschaft einen äusserst arbeitsamen, exakten und ausdauernden Forscher. Millikan begnügte sich nie mit einzelnen Messungen, sondern wiederholte seine Versuche immer mehmals, wodurch er zu genauen Resultaten gelangte.