(1897–1977)
Die Verdienste von Fritz Kesselring liegen auf dem Gebiet der Hochspannungsschalter, der Konstruktion und der Weiterbildung. Er wurde vor allem in Deutschland hoch geehrt.
Fritz Kesselring kam am 27. November 1897 auf dem Schlossgut Bachtobel bei Weinfelden zur Welt, wo er eine glückliche Jugend verlebte. An der Kantonsschule Frauenfeld bestand er die Matura und studierte darauf an der ETH in Zürich Elektrotechnik. 1922 erwarb er mit einer «Theoretische und experimentelle Untersuchungen an rotierenden Gleichrichtern» betitelten Arbeit den Doktortitel bei Prof. Kuhlmann, bei dem er als Assistent wirkte.
Eben verheiratet, nahm er eine Stelle in Frankfurt am Main an, von wo er wenig später zur Berliner Firma Dr. Paul Meyer wechselte. Dort – es war die schlimmste Inflationszeit – bezog er ein Monatsgehalt von 6,15 Billionen Mark. Bei dieser Firma machte er 1925 an einem gläsernen Ölschalter Zeitlupenaufnahmen. Die aufsehenerregenden Versuche und deren theoretische Auslegungen bewogen die Siemens-Schuckert-Werke, ihn für sich zu gewinnen. Dort schuf er von 1927 bis 1931 den Expansionsschalter, bei dem zunächst Wasser als Löschmittel diente. Dieser Schaltertyp basiert auf der Erkenntnis, dass der Lichtbogen bei einem plötzlichen Druckabbau erlischt. Das Prinzip fand später auch beim ölarmen Schalter Anwendung.
Kesselring befasste sich bei Siemens auch mit der Entwicklung des Kontaktumformers. 1942 wurde er Leiter des Schaltwerkes, einer der Hauptabteilungen der Unternehmung.
Des Krieges wegen kehrten seine beiden Kinder 1942 und zwei Jahre später auch er mit seiner Frau in die Schweiz zurück. Das Berliner Heim verlassen zu müssen, fiel ihm sehr schwer. Es war ein gastliches Haus gewesen, in dem viel musiziert worden war und viele Freunde ein- und ausgegangen waren.
In Zürich arbeitete Kesselring beim Albiswerk, zuerst als Leiter der Entwicklungsabteilung, dann als technischer Direktor. Ende der 1950er-Jahre entstand unter seiner Leitung das Siemens-Forschungslaboratorium in der Fahrweid bei Dietikon, in dem Grundlagenforschung betrieben wurde.
Kesselring schrieb mehrere Bücher. Die «Technische Kompositionslehre», sein grösstes Werk, erschien 1954. Er vergleicht darin das Konstruieren mit dem Komponieren der Musik, mahnt den Ingenieur an seine ethischen Verantwortlichkeiten. Dann folgen mathematisch fundierte Anleitungen. Was das Buch besonders lesenswert macht, sind die zahlreichen philosophischen Betrachtungen.
1963 verlieh die Technische Universität Berlin ihm den Titel eines Dr. Ing. E.h. und 4 Jahre später der VDI, für den er 25 Jahre in der Fachgruppe Konstruktion massgeblich mitgewirkt hatte, die Grashof-Gedenkmünze.
Kesselring blieb auch nach seiner Pensionierung stets aktiv. Über 200 Patente tragen seinen Namen. Neben der Technik interessierte er sich für Philosophie, Bellestristik, Fragen des Umweltschutzes. Er war ein Mann mit vielseitiger Begabung; geistiges und handwerkliches Schaffen behenschte er gleichermassen. Seine grosse Liebe galt der Musik; er spielte selber Violine und Klavier. Er starb am 14. Juli 1977 an den Folgen eines Herzinfarktes.