(1819–1868)
Léon Foucault hat nicht nur die Lichtgeschwindigkeit gemessen, die Erdrotation nachgewiesen und die Foucault-Ströme (Wirbelströme) entdeckt, sondern noch eine ganze Reihe anderer Erfindungen und Entdeckungen gemacht. So verschieden diese auch waren, sie entstanden gewissermassen zwangsweise, eine aus der andern heraus. Léon Foucault wurde am 18. September 1819 als Sohn eines kleinen Buchhändlers und Verlegers in Paris geboren. Der schwächliche Knabe konnte die Schule nicht regelmässig besuchen, erhielt aber im Elternhaus eine gute Ausbildung. Nach dem Baccalaureat wollte er Medizin studieren, musste dies aber aufgeben, weil er Blut nicht sehen konnte. Als Präparator und Experimentator arbeitete er dann an der Ecole de Médicine in der Mikroskopie.
Um vom Sonnenlicht unabhängig zu werden, baute er sich eine mit Elementen betriebene Bogenlampe sowie einen elektromagnetischen Regler zum Nachschub der Kohlestifte. Bald fanden solche Lampen auch Anwendung für die Beleuchtung von Werkstätten und Plätzen. Von 1845 an schrieb er wissenschaftliche Berichte für das Journal des débats. Die eben aufgekommene Daguerreoskopie (wir sagen heute Fotografie) regte ihn so recht zum Experimentieren an. Bald gelang ihm die Aufnahme eines Sonnenbildes. Um auch Sternbilder aufzunehmen, musste das Teleskop während längerer Zeit dem Stern nachgeführt werden. Bei Versuchen zu einem entsprechenden Geschwindigkeitsregler beobachtete er, dass ein schwingender Stab seine Schwingungsebene beibehält, wenn der Stab gedreht wird. Das brachte ihn auf die Idee, mit einem Pendel die Erdrotation sichtbar zu machen, zuerst im Keller, dann in der Sternwarte und schliesslich am 3. Februar 1851 mit einem 67 m langen Pendel im Panthéon.
Im Jahr vorher war ihm der Nachweis gelungen, dass sich das Licht im Wasser langsamer fortpflanzt als in der Luft. 1852 folgte die Erfindung des Gyroskops, eines an einem Pendel aufgehängten Kreisels, mit dem auch unter der Erde eine einmal eingeschlagene Richtung beibehalten werden kann. 1855 entdeckte er, dass sich die mechanische Energie einer rotierenden Kupferscheibe in Wärme umsetzt, wenn sich die Scheibe in einem starken Magnetfeld dreht. Die in der Scheibe erzeugten Wirbelströme nennt man heute noch Foucault-Ströme.
Anfang der 1860er-Jahre beschäftigte er sich abermals mit der Lichtgeschwindigkeit, und 1862 konnte er sie unter Zuhilfenahme eines von Wheatstone angegebenen rotierenden Spiegels messen. Für die Energietechnik war der von Foucault erfundene Fliehkraftregler von grosser Bedeutung, wurden doch Dampfmaschinen, Dampf- und Wasserturbinen damit geregelt, bis um die Mitte des letzten Jahrhunderts elektrische Regler aufkamen.
Nobelpreise gab es zu seiner Zeit noch nicht, aber an Ehrungen fehlte es trotzdem nicht. Er war Offizier der Ehrenlegion, Mitglied der Royal Society und der Académie des Sciences, und einige Universitäten verliehen ihm den Ehrendoktor. Wichtiger aber als all dies sind seine bleibenden Verdienste um Wissenschaft und Technik. Seine Leistungen sind umso erstaunlicher, als er keine wissenschaftliche Ausbildung genossen hatte. Einer seiner Zeitgenossen formulierte dies etwas spitz so: «Er wusste nichts, aber er verstand alles.»
Im Jahre 1867 erkrankte Foucault schwer. Nach 7-monatigem qualvollem Krankenlager starb er am 11. Februar 1868 in Paris.