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Sir Humphrey Davy




(1778–1829)

Im äussersten Westen Cornwalls, in Penzance, lebte der Holzschnitzer Robert Davy. Sein Verdienst war knapp, und als er 1894 starb, hatte seine Frau für 2 Buben und 3 Mädchen zu sorgen. Sie eröffnete einen Laden und später, als sie eine kleine Erbschaft machte, ein kleines Hotel garni.

Humphrey, der 1778 geborene ältere Sohn, besuchte die Dorfschule und kam dann in die Lehre zu einem Apotheker, dessen Bibliothek er benutzen durfte. Davon machte er regen Gebrauch. So las er auch das Werk des französischen Chemikers Lavoisier und sprach darüber mit Gregory Watt, dem Sohn des Erfinders der Dampfmaschine, der zur Erholung im Hotel von Mutter Davy weilte. Davy bezweifelte die Theorien Lavoisiers und nahm sich vor, die Zusammenhänge selber zu überdenken. Auf Empfehlung eines Freundes kam er nach der Lehre als Chemiker in ein Institut nach Bristol, in dem man versuchte, Kranke durch Behandlung mit Gasen zu heilen. Hier experimentierte er und versuchte auf sorgloseste Weise an sich selber durch Einatmen von Gasen deren Wirkung, wobei er mehrmals in Lebensgefahr geriet. Dabei entdeckte er aber das Lachgas, das für die Medizin (Narkosen) Bedeutung erlangte.

Von Bristol wurde der junge Chemiker 1801 an die Royal Institution nach London geholt, wo er nach einem Jahr zum Professor der Chemie ernannt wurde. Die erste Aufgabe bestand darin, die Anwendung der Chemie in der Landwirtschaft zu fördern. Seine 10-jährige Vortragsreihe erschien später in Buchform. Regelmässig hatte er auch öffentliche Vorträge über Chemie zu halten, bei denen oft gegen 1000 Personen zuhörten.

Die Entdeckungen Voltas führten Davy zur Elektrochemie; er erkannte, dass die Stromerzeugung in der Voltasäule und in den Elementen mit chemischen Vorgängen verbunden ist. Um unbehindert elektrische Versuche anstellen zu können, liess er immer grössere Batterien bauen, deren grösste aus 2000 Platten bestand, die eine Oberfläche von 80 m2 aufwiesen. So ausgerüstet, gelang ihm die Darstellung verschiedener Elemente, so Kalium, Kalzium, Natrium, Magnesium, Strontium, Chlor und Jod. 1813 demonstrierte er in der Royal Society erstmals einen elektrischen Lichtbogen zwischen Holzkohlestäbchen. Darauf basierend, schuf später Foucault die Bogenlampe. Davy aber gilt als der Begründer der Elektrochemie.

Der Ruf, den ihm seine zahlreichen Entdeckungen eingetragen hatten, machte viele glauben, man könne von ihm alles verlangen. Die Marine beauftragte ihn, Abhilfe gegen die Korrosion von Kupferplatten an Schiffen zu suchen. Er fand sie im noch heute üblichen kathodischen Schutz. Ebenfalls im Auftrag ersann er die nach ihm benannte Grubenlampe, durch welche Schlagwetterexplosionen verhindert werden können.

Am 8. April 1812 wurde Davy geadelt. Drei Tage später heiratete er eine wohlhabende Witwe. Die Ehe blieb kinderlos, das Geld aber ermöglichte den beiden grosse Reisen.

Am 1. März 1813 stellte Davy einen gewissen Michael Faraday, Zuhörer seiner Vorlesungen, als Laborgehilfen ein. Böse Zungen meinten später, dies sei seine grösste Entdeckung gewesen. Faraday begleitete Davy und dessen Frau auf allen Reisen als Laborgehilfe und Kammerdiener.

Da König Georg IV. sich für die in Pompeji karbonisierten Papyrusrollen interessierte, musste Davy 1818 nach Neapel reisen. Er hätte ein Mittel finden sollen, die Rollen zu öffnen, was ihm jedoch nicht gelang.

1820 wurde Davy zum Präsidenten der Royal Society gewählt. Seine Gesundheit liess bald zu wünschen übrig. Vergebens suchte er auf verschiedenen Reisen nach Italien Heilung. 1826 erlitt er einen Schlaganfall, der ihn zum Rücktritt aus der Society zwang. Von da an reiste, jagte und fischte er und machte Studien über Vulkane. Er starb auf der Heimreise von Rom am 28. Mai 1829 in Genf, wo er auf dem Friedhof von Plainpalais beigesetzt wurde. Seine Gattin stiftete zu seinem Andenken bei der Genfer Akademie einen Preis, der alle 10 Jahre dem Chemiker zugesprochen werden soll, der das neueste und fruchtbarste Experiment vorgeführt hat.

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