(1654–1705)
Mit Jacob (I.) Bernoulli nahm die etwa 100 Jahre dauernde Führerrolle der Bernoullis in der Mathematik ihren Anfang. Am 27. Dezember 1654 zu Basel geboren, wurde er 1671 Magister der Philosophie und bestand 5 Jahre später sein Theologieexamen. Als Pfarrer, aber vorwiegend als Privatlehrer sich betätigend, begab er sich noch im gleichen Jahr nach Genf und von dort quer durch Frankreich nach Bordeaux. Über Paris kehrte er 1680 nach Basel zurück.
Ein Komet, für die abergläubische Bevölkerung ein böses Omen, bedeutete für Bernoulli ein interessantes Naturphänomen. Von blossem Auge stellte er Beobachtungen an und zeichnete die Bahnkurve auf. Er stellte eine Theorie auf, wonach der Komet der Trabant eines sehr fernen Planeten sei und wiederkommen werde. 1681 veröffentlichte er seine erste Schrift, betitelt «Neu erfundene Anleitung, wie man den Lauf der Schwanzsterne in ... Gesetze einrichten und ihre Erscheinung voraussagen kann ...».
Bernoulli fühlte sich dank dieser kleinen Studie bereits als Gelehrter. Um mit andern Gelehrten Bekanntschaft zu machen, unternahm er eine neue Reise; sie führte ihn zunächst nach Holland. Tief beeindruckt von den Arbeiten Descartes', zog er dann über Belgien nach England, wo er einer Sitzung der Royal Society beiwohnen konnte. Im Herbst 1682 kehrte er nach Basel zurück, dem Predigerberuf ganz entfremdet. Nach seiner Heirat mit Judith Stupan, die ihm eine Tochter und einen Sohn schenkte – der zum Leidwesen des Vaters Maler wurde –‚ widmete er sich ganz der Wissenschaft. Er hielt oft Vorträge über Mathematik und Physik und zeigte grosses Talent zum Lehren. Nebenbei führte er auch seinen 13 Jahre jüngeren Bruder (Johannes I.) in die Mathematik ein.
1684 machten sich die beiden Brüder an eine von Leibnitz veröffentlichte, schwer verständliche Arbeit. Eine 3 Jahre später an Leibnitz gerichtete Anfrage blieb unbeantwortet, da sich dieser auf einer Reise befand. 1690 publizierten die Bernoullis dann in den Leipziger-Acten einen «Abriss der Differential- und Integralrechnung». Leibnitz war davon so beeindruckt, dass er erklärte, «der neue Calcul gehöre ebensogut den beiden Bernoullis wie ihm selber».
1687 wählte der Basler Senat Jacob Bernoulli als Professor der Mathematik an die Universität. Bernoulli löste in dieser Zeit unzählige schwierige mathematische Probleme. Er schrieb selber Preisaufgaben aus und beteiligte sich auch an der Lösung internationaler Preisfragen.
Neben der Differenzial- und Integralrechnung begründete er die Kombinationslehre, die Wahrscheinlichkeitsrechnung (Satz von Bernoulli) sowie die Lehre von den Reihen. Ihm gelang auch die Berechnung der Kettenlinie.
Das strenge, bis in die Nacht währende Studieren, mangelnde Bewegung und der Ärger über den Streit mit dem Bruder Johannes zehrten an seiner Gesundheit. Erst 51-jährig, erlag er am 16. August 1705 einem Fieber.