(1878–1975)
Am Weihnachtsabend 1906 veranstaltete Prof. Fessenden, ein amerikanischer Radiopionier, das erste Radiokonzert der Welt. Zuhörer waren die Schiffsbesatzungen im Umkreis von einigen 100 Meilen um den in Brant Rock aufgestellten Versuchssender. Fessenden hatte 1904 bei der General Electric Co. einen 100-kHz-Generator bestellt. Steinmetz gab diesen schwierigen Auftrag dem jungen Ingenieur Alexanderson. Dieser am 25. Januar 1878 in Uppsala geborene Sohn eines Professors für klassische Sprachen hatte nach Studien an der Universität Lund und der Polytechnischen Hochschule Stockholm an der Technischen Hochschule zu Berlin-Charlottenburg doktoriert. Dort las er auch das Buch «Alternating Current Phenomena» von Steinmetz und war davon so begeistert, dass er beschloss, nach Amerika auszuwandern, um bei Steinmetz zu arbeiten.
Dieser beschäftigte den Neuankömmling als Zeichner und schickte ihn in verschiedene Fortbildungskurse. 1904 rückte Alexanderson zum Ingenieur auf. In mehr als 2-jähriger Arbeit gelang ihm die Konstruktion des von Fessenden bestellten Hochfrequenzgenerators. Im Laufe der Jahre wurde die Maschine wesentlich verbessert und zu höhern Leistungen entwickelt, sodass 1911 ein zuverlässiger Transatlantik-Radioverkehr möglich war. 1917 baute er eine 200-kW-Maschine für die US-Marine. Sie kam am 20. Oktober 1918 erstmals in Betrieb; die Nachricht, die damit nach Europa übertragen wurde, war das Ultimatum, das Präsident Wilson an Deutschland richtete und damit den Ersten Weltkrieg beendete.
Um den Alexanderson-Generator in den USA auswerten zu können, gründete General Electric (GB) 1919 ein Radio-Engineering Department und machte Alexanderson zu dessen Chef. Wenig später entstand aus dieser Abteilung die Radio-Corporation of America (RCA). Alexanderson diente aber daneben auch der GE auf dem Gebiet der Antriebstechnik (z.B. Gleichstromloks mit Rekuperation, Thyratron-Drehzahlsteuerungen, die für Antriebe von Schlachtschiffen dienten) und entwickelte auch Gleichrichter für Gleichstromkraftübertragungen.
Ab 1926 wandte er sich wieder der Hochfrequenz zu. Er verbesserte die Antennentechnik und experimentierte mit der drahtlosen Bildübertragung. 1928 gelang ihm unter Verwendung einer Nipkow'schen Lochscheibe und einer mit Hochfrequenz gespeisten Neonlampe die erste, allerdings noch mangelhafte Bildübertragung. Von 1930 an wurden immer grössere Distanzen gemeistert (von Schenectady nach Los Angeles, dann bis Berlin usw.). Damit die seit 1939 in New York ausgestrahlten Fernsehsendungen auch hinter den Hügeln in Schenectady empfangen werden konnten, liess Alexanderson einen Fernsehumsetzer installieren.
1948 zog er sich von der Arbeit bei GE zurück, aber als Berater arbeitete er noch bis 1952 mit der RCA an Farbfernsehproblemen.
Sein Privatleben war recht bewegt. 1908 naturalisierte er sich in den Staaten, und im folgenden Jahr heiratete er, verlor aber seine Frau schon nach 3 Jahren. 1914 schloss er eine zweite Ehe. Als sein Sohn 6 Jahre alt war, wurde er entführt. Über den Radiosender der GB in Schenectady verbreitete Alexanderson das Signalement sofort. Wenig später wurde der Knabe aufgefunden und die Kidnapper gefasst. 1948 starb auch die zweite Frau, die ihm 3 Töchter und den Sohn geschenkt hatte. Mit 71 Jahren heiratete er nochmals und konnte noch 26 Jahre mit seiner dritten Gattin zusammenleben. Er starb 97-jährig, am 14. Mai 1975.
Alexanderson konnte viele Ehrendoktorate, aber auch Medaillen entgegennehmen, unter denen ihn die schwedischen besonders freuten, 322 Patente tragen seinen Namen und zeugen von seiner langen und erfolgreichen Tätigkeit.