Startseite  |  Verband  |  Bulletin SEV/VSE  |  Pioniere der Elektrotechnik  |  WeidmannH
druckenSeite drucken

Hans Heinrich Weidmann




(1851–1914)

Heinrich Weidmann, der Gründer des seinen Namen tragenden Unternehmens in Rapperswil, kam am 15. Dezember 1851 in Zürich als Sohn eines Metzgers und Viehhändlers zur Welt. Kaum der Schule entwachsen, musste er für den Vater Schaftransporte nach Lyon durchführen. Um Französisch zu lernen, blieb er ein Jahr dort. Nach einer kaufmännischen Lehre in einem Chemikaliengeschäft in Zürich arbeitete er nacheinander für ein Speditionsunternehmen in Venedig und für Seidenhäuser in Mailand und London. 1876 kehrte er in die Schweiz zurück, wo er in Stäfa die chemische Abteilung eines Betriebes betreute.

In Italien hatte er die Telegrafendirektoren von Mailand und Venedig kennengelernt, die ihm einige elektrotechnische Kenntnisse vermittelten. In Mailand besuchte er Chemievorlesungen, und während des Englandaufenthaltes bot sich ihm Gelegenheit, zahlreiche Industriebetriebe verschiedener Branchen zu besichtigen. Damals fasste er den Entschluss, eine eigene Kartonfabrik zu gründen.

Am 17. Januar 1877 ersteigerte er die Stadtmühle Rapperswil zum Preis von 66100 Franken und richtete darin seinen Betrieb ein. Er fand sofort Absatz für seine Produkte bei Buchbindern und in der Textilindustrie. Aber schon im ersten Jahr kam es zu argen Zwischenfällen, Zuerst richtete eine Feuersbrunst grossen Schaden an, und im Winter verstopfte sich bei einen Eisgang die Turbinenanlage, was zu einer Überschwemmung führte. Weidmann, der bei den Räumungsarbeiten tatkräftig mithalf, zog sich dabei ein hartnäckiges Gelenkleiden zu, das ihn bis an sein Lebensende quälte.

Der junge Unternehmer verstand sich gut in seinem Fach. Er verbesserte die Materialien und schuf neue Produkte. An den Landesausstellungen von 1883, 1896 und 1914 erhielt er für seine Produkte regelmässig Diplome. Neben Pressspan in Platten und Rollen stellte er aus selbst entwickelten Kunststoffen («Cornit», ein unter 200 t Druck gepresstes Gemisch von Asbest, Asphalt und Zement) Pressteile her, die vorwiegend für die Elektrobranche bestimmt waren, z.B. Schaltergriffe, Schalterkasten, Funkenlöscher, Magnetspulenkasten usw.

Weidmann musste die sich ihm stellenden Probleme ganz allein lösen. Dass ihm das in hohem Masse gelang, ist umso erstaunlicher, als er ja lediglich eine kaufmännische Lehre gemacht hatte. 1885 gründete er in Oberachern, nördlich von Offenbach, eine Fabrik zur Herstellung von Karton für die Schuhfabrikation. Er verkaufte diese dann um die Jahrhundertwende wieder und errichtete dafür in Gossau ZH ein Zweigunternehmen.

Weidmann war ein vertrauenerweckender, Achtung gebietender, sehr unternehmungsfreudiger Mann mit Humor. Seine knapp bemessene Freizeit verbrachte er gern im Zürcher Freundeskreis. Daher war er auf eine gewisse Mobilität angewiesen, wozu er schon früh ein Automobil anschaffte. Oft wohnte er im Haus an der Gerechtigkeitsgasse in Zürich, das ihm sein Vater hinterlassen hatte. Dort starb er auch nach einer langen Krankheit am 11. Oktober 1914.

Der unverheiratet gebliebene Weidmann verfügte in seinem Testament, dass 1 Zehntel seines Vermögens gemeinnützigen Zwecken, 2 Zehntel seinen Verwandten und 7 Zehntel seinen beiden Prokuristen zufalle, in der Meinung, dass diese das Geschäft in eine Aktiengesellschaft umwandeln und weiterbetreiben sollten. Als Folge des eben ausgebrochenen Krieges fielen aber die Auslandmärkte aus, und es entstanden grosse Schwierigkeiten. Erst Ing. H. Tschudi-Faud, der 1927 das Steuer in die Hand nahm, gelang es durch zähes Arbeiten und ausdauerndes Forschen, das Unternehmen zu neuer Blüte zu bringen.

Webdesign & CMS by INM AG