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Franz August Philipp Rittmeyer




(1875–1966)

Man kann wohl den gewünschten Beruf erlernen, aber auf welchem Fachgebiet man schliesslich arbeitet, hängt oft vom Zufall ab. Das erlebte auch Franz Rittmeyer.

Sein Vater war Direktor der Stickereifabrik Sittertal in St. Gallen. Ihm verdankt man verschiedene Verbesserungen der Stickmaschinen. Nach der durch die Stickereikrise bedingten Stilllegung der Fabrik im Jahre 1891 übernahm er die Leitung der Stickereifabrik in Appenzell.

Franz Rittmeyer wurde am 11. Juni 1875 geboren. Er wuchs zusammen mit zwei ältern Schwestern auf. Nach dem Realschulbesuch in Herisau absolvierte er das Technikum Burgdorf, machte eine Werkstättepraxis bei der Maschinenfabrik Rüti und arbeitete dann als Volontär in Lausanne, Genf und schliesslich im vom Vater geleiteten Stickereimaschinenbetrieb. Hier hatte er die Aufgabe, die Stickmaschine zu automatisieren. Franz Rittmeyer galt schon damals als guter Mechaniker. Als daher im Jahre 1903 der Wasserstandsfernmelder der Wasserversorgung in Appenzell versagte, bat man Rittmeyer, diesen instand zu setzen. Das tat er auch; aber er erkannte an den alten Geräten viele Mängel, und innert anderthalb Jahren entwickelte er ein eigenes, auf einer Brückenschaltung beruhendes System. Er konnte einige solcher Fernmelder an verschiedene Gemeinde-Wasserversorgungen liefern. 1904 kehrte er der Stickerei den Rücken, eröffnete in Thalwil eine eigene Werkstätte und widmete sich von da an ausschliesslich dem Bau von Apparaten für die Wasserwirtschaft.

Seine Prinzipien, denen er bis zuletzt treu blieb, waren: für Geber und Empfänger eine robuste, einfache Konstruktion, unempfindlich gegen Kälte, Eis, Tropfwasser und Hitze durch Sonnenbestrahlung. Obwohl er nur elektrische Elemente als Stromquelle benützte, erzielte er grosse Stellkräfte an den Anzeigegeräten. Die Zeigerspitze seiner Empfänger konnte er mit 1 kg belasten, ohne dass dadurch die Funktion gestört worden wäre. Als Verbindungsleitung genügt eine zweidrähtige Leitung, die bei Richtungswechsel der Bewegung umgepolt wird.

1908 brachte er die Impulssteuerung heraus; mit diesem digitalen System wurde es ihm möglich, auch bei sehr grossen Wasserspiegelschwankungen (100 m und mehr) die Zentimetergenauigkeit einzuhalten.

Nach den Kaisermanövern, die Rittmeyer als Oberleutnant mitmachte, nahm er den ersten Mitarbeiter ins Büro auf. Am Ende des Ersten Weltkriegs verlegte er seinen Betrieb nach Zug.

Anfang 1921 heiratete er, und im Dezember des gleichen Jahres wurde ihm der einzige Sohn geboren, der danach das Unternehmen leitete. In den 1920er-Jahren reifte ein neues System; bei diesem wird der Stellungsanzeiger durch ein Motörchen angetrieben. 1932 wandelte er das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft um und vergrösserte die Fabrik ein erstes Mal. Auch das Fabrikationsprogramm erfuhr eine Erweiterung. Neben Wasserstandsfernmeldern – auch der 1932 in Betrieb gesetzte, in Werkkreisen sehr beliebte Rheinfelder-Pegel, der auf telefonische Anfrage durch Glockensignale Meter, Dezimeter und Zentimeter meldete, war sein Werk – baute Rittmeyer von da an für Kraftwerke Stellungsmelder für Stauwehrschützen, Druckleitungsschieber usw. Doch seine Apparate konnten noch wesentlich mehr leisten. Franz Rittmeyer stellte sie in den Dienst der Automation, baute Registriergeräte für Höhendifferenzen (Gefälle am Kraftwerk, Rechengefälle), für Wassermengen (aus Überfallhöhe oder Venturimeteranzeige) und für die hydraulische Leistung. Ergänzt wurde dieses Programm durch Turbinen- und Pumpenfernsteuerungen und vieles andere mehr.

1944 starb Rittmeyers Frau. Im Jahr darauf trat sein Sohn in die kaufmännische Abteilung ein, und er selber zog sich von der aktiven Leitung des Geschäftes zurück. Fast 10 Jahre wohnte er im Tessin, dann erkrankte er und musste sich einer grossen Operation unterziehen. 1954 war es ihm vergönnt, in Appenzell an der Feier des 50-jährigen Bestehens seines Unternehmens teilzunehmen. Von 1955 bis zu seinem Rücktritt aus dem Verwaltungsrat am 23. Mai 1959 lebte er in Luzern. Nach einem Mustermessebesuch im Jahre 1961 verschlimmerte sich sein Zustand plötzlich. Er wurde pflegebedürftig, und am 26. Mai 1966 wurde er durch den Tod von seinen Leiden erlöst. Trotz seinen grossen Erfolgen war Rittmeyer ein bescheidener, einfacher und äusserst gütiger Mensch geblieben.

Wohl die meisten seiner bis ins Letzte ausgetüftelten Apparate, die er grossenteils selber erdacht und gebaut hatte, überlebten ihn, leisten auch heute noch ihren Dienst und zeugen so von der Richtigkeit von Rittmeyers Prinzipien.

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