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Abbé René Just Haüy




(1743–1822)

Im kleinen Dorf Saint Just im Departement Oise kam René Just Haüy am 28. Februar 1743 als Kind eines Leinenwebers zur Welt. Er wird Chorsänger in einem ärmlichen Pariser Viertel und erhält durch Vermittlung des Abtes ein Stipendium ans College de Navarre. Dank seiner hervorragenden Leistungen bekommt er nach dem Abitur den Posten eines Physiklehrers. Als er 22 Jahre zählt, kommt sein Physikbuch heraus, das ihn mit vielen Wissenschaftlern zusammenbringt. Das führt dazu, dass er sich besonders für Kristallografie und für die Elektrizität zu interessieren beginnt. Er erforscht die Struktur der Kristalle, die Symmetriegesetze und macht sich Gedanken über die Kräfte, die diese gesetzmässigen Formen zustande bringen. In einem «Die Struktur der Kristalle» betitelten Buch fasst er seine Beobachtungen zusammen und spricht die Vermutung aus, es könnten elektrische Kräfte im Spiele sein.

1783 wird er zum Mitglied der Académie ernannt.

Im vorhergegangenen Jahr hat Haüy seine für die Elektriker wichtige Entdeckung gemacht: die Piezoelektrizität. An einem Doppelspat (Kalzit, CaCO3) stellt er fest, dass beim Drücken des Kristalls die Oberflächen elektrisch geladen werden. Hört die Beanspruchung auf, so verschwindet die Ladung wieder. Gewisse Kristalle wie Quarz, Seignettesalz und Turmalin werden auch beim Ziehen elektrisch. Die Piezoelektrizität hat inzwischen verschiedene Anwendungen gefunden, in der Nachrichtentechnik, für Radio und Ultraschall.

Nach 20 Jahren Dienst an der Universität zieht sich Haüy zurück. Die Revolution bringt ihn jedoch um seine Privilegien. 1802 erhält er dann den Lehrstuhl Daubentons am Musée national d'histoire naturelle. Bei der Gründung der Universität wird für ihn ein Lehrstuhl für Mineralogie geschaffen. Doch bei der Restauration verlor Haüy abermals Hab und Gut. Er starb in grosser Armut am 3. Juni 1822 in Paris.

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