Nachmittagsveranstaltung von ITG-Software Engineering und SI-SE
Meilensteine - Hilfen oder Stolpersteine?
Die Veranstaltung wurde geprägt durch ein bilderreiches Einführungsreferat von Stefan Zeder, Infogem. Er übersetzte gekonnt das antike Verständis des Meilensteins (milliarium) und das römisch–gallische Verhalten aus Asterix & Obelix in unsere heutige Projektwelt. Diese als robust bezeichnete Projektvorgehensweise eignet sich besonders gut zum Projektcontrolling. Dem gegenüber stehen moderne, agile Vorgehensverfahren. Sie beziehen den Kunden mit seinen Wünschen gekonnt mit ein, resultieren aber in einem weniger planbaren Projektabschluss.
Die weiteren Erfahrungsberichte die darauf folgten, konnten diese Unterschiede deutlich belegen. Matthias Würgler, SBB Informatik, beeindruckte mit dem Vortrag „Quality Gate: Werden IT-Projekte damit besser beherrschbar?“ Die klare Antwort: Durch systematische Projekt-Reviews an fest definierten Projektmeilensteinen lassen sich griffige Entscheidungsvorschläge für die Projektsponsoren erarbeiten. Damit wird es möglich, Projekte aus verschiedenen Review Blickwinkeln zu steuern.
„Let’s Scrum in a Global Software Project“ von Beat Notter, Siemens Building Technologies, demonstrierte eine gelungene Kombination aus Meilensteinmodell mit agilem SCRUM-Vorgehen. Die Idee besteht darin, das Projekt nach einer gemeinsamen Phase der Analyse auf verschiedene SCRUM-Teams aufzuteilen. Diese arbeiten nach den SCRUM-Sprints und synchronisieren sich monatlich. Speziell an diesem Vorgehen ist, dass trotz agiler Teams die konzerndefinierten Meilensteine genutzt werden.
Reto Rüetschi, Crealogix, bildete das künstlerische Highlight der Veranstaltung: „Ist jedem Kundenwunsch nachzugeben?“ Mit seinen Ausführungen begeisterte er die Zuhörer und zog sie regelrecht in seinen Bann. Zudem konnte er plakative Kernaussagen mit realer Erfahrung verquicken. Als Beispiel seien seine drei Rezepte für das erfolgreiche Projektmanagement erwähnt: denken in Artefakten - denken in Mustern - denken in Wochen.
Den Abschluss bildete das Referat von Markus Diem, ELCA Informatik unter dem Titel „Risikoreiche Wasserfälle vs. Risikogetriebene Iterationen. Was ist erfolgreicher?“ Klare Antwort ist die Aufteilung der Gesamtfunktionalität auf Iterationen. Dabei gibt die systematische Risikobewertung der Requirements die Entwicklungsreihenfolge vor. Mit diesem „Most Critical First“-Ansatz gelingen ELCA seit Jahren erfolgreiche Projekte.
Fazit der Veranstaltung. Moderne und agile Methoden sind eindeutig im Vormarsch in der Software-Entwicklung. Jedoch werden sie in der Anwendung häufig mit den bewährten Meilensteinen kombiniert, um Projekte besser steuern und im Portfolio managen zu können. Die Referate haben somit bedeutsame Impulse für die Teilnehmer aus der Industrie vermittelt und skizzierten für die ca. 30 teilnehmenden Studenten einen realistischen Einblick in ihr zukünftiges Arbeitsfeld als IT-Projektleiter.
Dr. Peter Kolb
Tagungsleiter