(1843–1918)
Der jetzt zu den Alten gehörenden Generation wurde der Name Deprez schon während des Studiums bekannt, dann nämlich, als man im Laboratorium mit Galvanometern zu tun hatte. Es handelte sich um die Bauart Deprez-d'Arsonval. Deprez hatte das Instrument 1878 gebaut. D'Arsonval verbesserte es 3 Jahre später, und 1882 kam es zu einer von beiden gemeinsam entwickelten Form.
Deprez, am 29. Dezember 1843 in Aillant sur Milleron geboren, besuchte die Ecole supérieure des Mines. Als der Direktor dieser Schule den mittelmässigen Schüler zu sich bestellte, um ihn zu besseren Leistungen anzuspornen, erkannte er, dass Deprez hochbegabt war. Da er aber auch während des Unterrichts Problemen nachsann, wirkte er verträumt. Nach Abschluss der Studien holte sich der Schuldirektor den jungen Deprez als Sekretär. Von dort weg kam er zur Chemin de fer du Nord. Für diese verbesserte er die Schiebersteuerung der Dampflokomotiven, entwickelte eine ganze Reihe von Mess- und Registrierapparaten, unter anderem einen neuen Indikator zum Aufnehmen der Dampfdiagramme. Als Krönung dieses Schaffens baute er für die Nordbahn den ersten Dynamometerwagen, der an der Weltausstellung von 1878 in Paris gezeigt wurde.
Deprez beschäftigte sich auch intensiv mit den Phänomenen der Elektrizität. Die Foucault'schen Ströme benützte er für einen Geschwindigkeitsmesser. Er erkannte früh die grosse Bedeutung der Elektrizität für die Ausbeutung der Naturkräfte und stellte eine «Theorie des Krafttransportes» auf. Für die Verteilung der Kraft sah er zwei Möglichkeiten: das Seriesystem mit konstantem Strom und die Parallelschaltung der Abnehmer mit konstanter Spannung. Dem letzteren System gab er den Vorzug.
An der Elektrizitätsausstellung von 1881 in Paris stellte er eine Elektrizitätsverteilung mit einem Generator und einigen Nähmaschinenmotoren als Energieverbraucher aus und reichte dem gleichzeitig stattfindenden 1. Elektrikerkongress mehrere Berichte ein, die grosse Beachtung fanden.
Die Ausstellung in Paris hatte auf Oskar von Miller grossen Eindruck gemacht. Er wollte 1882 den Deutschen etwas Ähnliches zeigen und beauftragte Deprez, für die in München geplante Schau eine Kraftübertragung auf grosse Distanz einzurichten. In der folgenden Aufstellung sind die im Verlauf von 4 Jahren durch Deprez verwirklichten Versuchsanlagen zusammengestellt.
| Jahr | Übertragungsstrecke | Länge | Leitung | Leistung | Spannung | My | |||||
| 1882 | Miesbach–München | 57 km | Telegrafenleitung, Fe 4,5 mm | 0,5 PS | 1343V / 850 V | 38% | |||||
| 1883 | Schleife La Chapelle–Le Bourget–La Chapelle (Paris) | 17 km | Eisenleitung | 2 PS | 2700 V | 37% | |||||
| 1883 | Vizelle–Grenoble | 14 km | Cu-Draht | 7 PS | 3000 V | 62% | |||||
| 1885 | Creil–Paris | 56 km | 5 mm Cu | 40 PS | 5700 V | 78% |
Es ist das Verdienst Deprez', durch diese ersten Versuche gezeigt zu haben, dass die elektrische Kraftübertragung möglich ist. 1886 wurde er zum Mitglied der Académie française ernannt, und 1890 wurde für ihn am Conservatoire national des arts et métiers ein Lehrstuhl für industrielle Elektrizität eingerichtet. Damit hatte Deprez, der gleichzeitig Theoretiker und Praktiker war, sein ihm angemessenes Tätigkeitsfeld gefunden.
Am 14. Oktober 1918 starb er in Vincennes. 1935 fand zur Feier des 50-Jahr-Jubiläums der Versuche zwischen Creil und Paris eine grosse Erinnerungsfeier statt.