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Hermann Hubert Josef Anschütz-Kämpfe




(1872–1931)

Anschütz war der Sohn eines Mathematik- und Physiklehrers in Zweibrücken, wo er am 3. Oktober 1872 zur Welt kam. Das begonnene Medizinstudium gab er auf, weil ihn andere Wissenszweige mehr interessierten. Die vom Grossvater ererbte Neigung zur Kunst kam zum Durchbruch, und er promovierte in Kunstgeschichte. Von Reisen nach Griechenland und Italien brachte er viele gekonnte Aquarelle heim. Später folgten Reisen in den hohen Norden. Unterdessen hatte seine Mutter den österreichischen Kunsthistoriker Dr. Kämpfe geheiratet, und dieser adoptierte Anschütz, daher gebrauchte er fortan beide Namen. Dr. Kämpfe starb aber bald, und dem jungen Anschütz-Kämpfe fiel eine grosse Erbschaft zu, die er für Forschungen verwenden wollte.

Angeregt durch Nansens Expedition kam ihm auf einer Reise ins Eismeer die Idee, zu versuchen, mit einem Unterseeboot unter dem Eis hindurch bis zum Nordpol vorzudringen. Trotzdem er für ein solches Unternehmen denkbar schlecht vorgebildet war, ging er mit viel Energie und Geschick an die Vorbereitungen. Da ein magnetischer Kompass sich auf den magnetischen Pol einstellt und in einem eisernen Unterseeboot überhaupt nicht funktioniert, musste er ein anderes Gerät ersinnen. Trotzdem hervorragende Ingenieure und Physiker wie Werner Siemens und Lord Kelvin es ohne Erfolg versucht hatten und ihn andere vor diesem System warnten, verfiel er auf den Kreiselkompass. 1902 gab er ein erstes Modell in Auftrag, 1903 tat er den entscheidenden Schritt zum elektrisch angetriebenen Kreisel. In einer ausführlichen Biografie von Gerlach und Sommerfeld liest man: «In glücklicher Unkenntnis der bestehenden Schwierigkeiten» habe er sich an diese Arbeiten gemacht. Aber zusammen mit einem hervorragenden Mechaniker wurden diese Klippen umschifft: Drehstromzuleitung mit Quecksilberkontakten, Lager für die 3 gekoppelten mit 21000 U/min drehenden Kreisel, Dämpfung mithilfe von Öltanks, das waren einige der zu lösenden Probleme.

Im Januar 1904 berichtete Anschütz in Kiel über die geplante Nordpolfahrt und seinen Kreiselkompass. Marinefachleute interessierten sich sofort für das neue Instrument, und schon im März waren die ersten Kompasse auf Handels- und Kriegsschiffen probeweise eingebaut. Sie bewährten sich, und im folgenden Jahr konnte der Erfinder in Kiel die Firma Anschütz & Co. gründen.

Sein Kreiselkompass wird auch heute noch angewendet, nicht nur auf Schiffen, sondern im Bergbau, auf Flugzeugen und in Messwagen der Bahnen für die Kontrolle der Geleise usw.

Trotz seiner grossen Erfolge trat Anschütz selten und nur ungern an die Öffentlichkeit. Er zog sich auch von der Firmaleitung zurück. In seinem Haus in München hatte er eine reiche Sammlung alter Meister und eine um 25 Jahre jüngere Frau, mit der er in glücklicher Ehe lebte. Eine kurze Krankheit riss ihn am 6. Mai 1931 aus diesem wechselvollen, aber im Grunde behaglichen Leben.

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