(1816–1888)
Die Geschichte der optisch-feinmechanischen Industrie ist durch hervorragende Unternehmerpersönlichkeiten gekennzeichnet. Eine ihrer profiliertesten ist Carl Zeiss.
Carl Zeiss versuchte zunächst in seiner kleinen Werkstätte, die er als 30-Jähriger 1846 in Jena gegründet hatte, die Herstellung von Mikroskopen. Trotz vielfältiger Anerkennung, die seine Geräte fanden, kam er jedoch sehr bald zu der Überzeugung, dass beim Mikroskopbau dem Fortschritt auch bei bestem handwerklichen Können Grenzen gesetzt sind, wenn die vollkommenste Form der optischen Systeme nicht durch vorherige Berechnung gesucht wird, da auf dem damals üblichen Wege unter Umständen erst aus Hunderten von Linsen ein gutes Objektiv zustandekam. Im Jahre 1866 wandte er sich an den damals 26-jährigen Jenaer Privatdozenten Ernst Abbe mit der Frage, ob es möglich sei, die optischen Elemente für den Bau eines Mikroskops bis in alle Einzelheiten im Voraus zu berechnen. Bei der Durchführung der dazu notwendigen, von Abbe angeregten umfangreichen Versuche geriet die kleine Werkstätte in ernste finanzielle Nöte. Doch hat Zeiss nie daran gedacht, sein Ziel aufzugeben, bis sich nach langwieriger, gemeinsamer mühseliger Arbeit der Erfolg einstellte.
CarI Zeiss wurde durch seine Initiative und durch sein unbeirrbares Bemühen um die Verwirklichung seiner Ideen einer der bedeutenden Wirtschaftsgründer des 19. Jahrhunderts, der auf dem Gebiet der technischen Optik frühzeitig die Bedeutung der Wissenschaft für die industrielle Entwicklung erkannte. Er hat es ferner verstanden, in seiner Werkstätte hervorragende Facharbeiter auszubilden, die die Kunst der Herstellung feinmechanisch-optischer Geräte in ungewöhnlichem Masse beherrschten.