(1804–1891)
Hatten sich die Pioniere um die Phänomene und ihre qualitativen Zusammenhänge bemüht, so machte sich die zweite Generation an die Erforschung des Quantitativen. Wilhelm Eduard Weber war der Erste, der sich um ein absolutes Mass der Stromstärke und der elektromotorischen Kraft bekümmerte. Zusammen mit Karl Friedrich Gauss, dem er in enger Freundschaft verbunden war, schuf er das sogenannte elektrostatische und das elektromagnetische Masssystem. Am internationalen Kongress von 1881 wurde als Einheit des magnetischen Flusses im absoluten CGS-System das «Weber» (1 Wb = 1 Vs) festgelegt.
Wilhelm Eduard Weber wurde am 24. Oktober 1804 in Wittenberg als Sohn eines Theologieprofessors geboren. Von den 7 Geschwistern wurden 3 Professoren, die untereinander guten Kontakt hatten. Mit dem 10 Jahre ältern Emil Heinrich, der Anatom und Physiologe war, untersuchte er als Gymnasiast die Wellenbewegung des Wassers («Die Wellenlehre, auf Experimente gegründet», 1825). Von 1833 bis 1836 entstand mit seinem 2 Jahre jüngern Bruder Eduard Friedrich «Die Mechanik der menschlichen Gehwerkzeuge».
Wilhelm Eduard studierte in Halle und Göttingen. Seine Lehrtätigkeit begann er als Privatdozent in Halle. 1831 kam er als Professor für Physik nach Göttingen, wo auch Gauss wirkte. Mit ihm zusammen baute er 1833 den ersten elektromagnetischen Telegrafen, mit dem die beiden über eine Entfernung von etwa 3 km miteinander verkehrten. Weber gehörte zu den «Göttinger Sieben», alles Professoren, die gegen die Aufhebung der Verfassung durch den König Ernst August von Hannover protestierten und deswegen ihres Amtes enthoben wurden. Weber musste vorübergehend nach Leipzig, wurde jedoch 1849 nach Göttingen zurückberufen.
Zu seinen grossen Leistungen gehören die Erfindung des Elektrodynamometers (1840–1846) und des Spiegelgalvanometers (1846–1852).
Wilhelm Eduard Weber war ein stiller Forscher und aller Effekthascherei abhold. Trotzdem wurden ihm, besonders im Alter, viele Ehrungen zuteil. Fast 87-jährig starb er am 23. Juni 1891 in Göttingen.