(1865–1924)
Als Sohn eines Arztes wurde Walter Boveri am 21. Februar 1865 in Bamberg geboren. Nach einer Ausbildung zum Maschinentechniker in Nürnberg kam er 20-jährig als Praktikant zur Maschinenfabrik Oerlikon, wo kurz vorher unter Leitung von C. E. L. Brown der Bau elektrischer Maschinen aufgenommen worden war. Boveri wurde später die Leitung der Montageabteilung übertragen, in welcher Eigenschaft er im In- und Ausland viel reiste und so Kenntnisse der europäischen Markt- und Arbeitsverhältnisse sammeln konnte. Nach der Periode des Gleichstroms, während der er u.a. die Montage und Inbetriebsetzung der Kraftübertragung von Kriegstetten nach Solothurn (1888) geleitet hatte, kam 1891 die denkwürdige Frankfurter Ausstellung mit der erstmaligen Drehstromanwendung.
Boveri, der sich dem grossen Konstrukteur Brown eng verbunden fühlte, bewog diesen im gleichen Jahr zur gemeinsamen Gründung der Kommanditgesellschaft Brown, Boveri & Cie. in Baden. Anfänglich oblagen Boveri Projektierung, Montage und Inbetriebsetzung der Anlagen.
Als die Stadt Frankfurt nach Schluss der Ausstellung die Errichtung eines Elektrizitätswerkes beschloss – wofür übrigens nicht Drehstrom, sondern Einphasenwechselstrom zur Anwendung kam –‚ fielen Brown, Boveri verschiedene Aufträge zu. Aus dem Frankfurter Baubüro ging später die «Brown, Boveri & Cie. Mannheim-Käfertal» hervor. Neben dem Ausbau des Badener Stammhauses zur Grossfirma gründete Boveri weitere Zweigunternehmungen in Paris, Mailand, Oslo (Christiania), Wien und Warschau.
Auf die Initiative Boveris ist auch die 1895 erfolgte Gründung der «Motor AG» zurückzuführen. Diese Gesellschaft finanzierte, baute und betrieb in der Schweiz eine grosse Zahl von Elektrizitätswerken, aus denen sich in der Folge grosse Unternehmen entwickelten. Als Beispiele seien genannt: Elektrizitätswerk Olten-Aarburg und Kraftwerk Gösgen: Aare Tessin AG für Elektrizität – Kander- und Hageneckwerke: Bernische Kraftwerke AG – Kraftwerke Beznau und Löntsch: Nordostschweizerische Kraftwerke AG – Rathausen: Centralschweizerische Kraftwerke AG.
Nach der Überführung dieser vielen Anlagen vorwiegend in die öffentliche Hand schrumpfte das Arbeitsgebiet von «Motor» in der Schweiz zusammen; Boveri schritt daher zur Fusion der in Südamerika arbeitenden Gesellschaft «Columbus AG» mit «Motor» zur «Motor-Columbus AG».
Boveri stellte seine Kenntnisse und Arbeitskraft u.a. der Eidg. Kommission für elektrische Anlagen, dem Verwaltungsrat der SBB und dem Schweiz. Wasserwirtschaftsverband zur Verfügung. Zum 25-Jahr-Jubiläum des Bestandes der Firma ernannte ihn die ETH zum Ehrendoktor.
Die glückliche Partnerschaft Browns, des grossen Erfinders und Konstrukteurs, mit dem vom Ingenieur zum gewiegten und sicheren Kaufmann, Volkswirtschaftler und Finanzmann gereiften Boveri hat seinerzeit nicht nur die grosse Weltfirma erstehen lassen, sondern auch die Stellung der schweizerischen Industrie und Volkswirtschaft massgeblich gefördert.