(1845–1916)
Die Calvinstadt Genf war nicht nur für französische Hugenotten, sondern auch für italienische Protestanten ein Zufluchtsort. Zu den Letzteren gehörten auch die Turrettinis, die schon im 16. Jahrhundert immigriert waren. Der am 27. April 1845 geborene Theodore durchlief die Ingenieurschule der Universität Lausanne, kam dann nach Frankfurt am Main, wo er eine Werkstattpraxis absolvierte, und nach Überwindung einiger bürokratischer Schwierigkeiten zu Siemens & Halske in Berlin. Turrettini gefiel es nicht in diesem «preussisch militärisch» geführten Betrieb, und er kehrte nach Genf zurück. Nach einem kurzen Aufenthalt in Paris wurde ihm, erst 25-jährig, die Direktion der neu gegründeten Société genevoise pour la construction d'instruments de physique (SIP) übertragen. Trotz seiner Jugend verstand er es, das Unternehmen, das u. a. Bohrmaschinen für den Gotthardtunnel, Eismaschinen und Präzisionsmaschinen fabrizierte, zur Blüte zu bringen. Man hatte auch begonnen, Glühlampen herzustellen. Turrettini wollte mehr darüber wissen und machte sich auf nach Amerika zu Edison.
Als sich 1881 eine französische Gesellschaft um eine Konzession für die Ausnutzung der Wasserkraft der Rhone bewarb, trat Turrettini dafür ein, dass die Stadt diese Aufgabe selber an die Hand nehmen solle. Er liess sich 1882 in den Stadtrat wählen und leitete als solcher den Bau des ersten mechanisch arbeitenden Genfer Kraftwerks (Coulouvrenière). Später wurde dieses Werk durch eine Pumpspeicheranlage ergänzt (1890).
In den Vereinigten Staaten plante man um diese Zeit die Ausnützung der Wasserkraft des Niagara-Falls. Turrettini wurde in die internationale Niagara-Kommission gewählt, in der unter anderen Sir William Thompson, der nachmalige Lord Kelvin, und der französische Prof. Mascart sassen. Verschiedene schweizerische Firmen (Cuénod & Sautter, Vorgänger von Sécheron; Fäsch & Piccard, Vorgänger von Charmilles und Escher Wyss) erhielten in einer internationalen Konkurrenz namhafte Aufträge. Turrettini schlug die Berufung zum leitenden Ingenieur aus, wurde aber mit beratenden Funktionen betraut. 1899 war diese Aufgabe beendet.
Unterdessen hatte er 1883 bei der Schweizerischen Landesausstellung in Zürich und ein Jahr später bei der Einrichtung der elektrischen Beleuchtung der Wiener Oper mitgewirkt. Von 1892 bis 1895 sah man ihn als Schöpfer des Elektrizitätswerks Chèvres unterhalb Genf. Im März 1896 wurde das Theater in Genf erstmals elektrisch beleuchtet, und einen Monat später die ebenfalls unter seiner Leitung stehende Schweizerische Landesausstellung eröffnet.
Turrettini kehrte darauf wieder zur SIP zurück. 10 Jahre später zwang ihn ein Nervenleiden aufs Krankenlager und abermals nach 10 Jahren, am 6. Oktober 1916, verliess er diese Welt.