(1865–1923)
Karl August Steinmetz kam als einziges Kind eines Lithografen am 9. April 1865 in Breslau zur Welt. Er war von Geburt an verkrüppelt; seine Mutter starb, als Karl jährig war.
Steinmetz war sehr intelligent, besuchte das Gymnasium und ab 1883 die Universität. Dort studierte er Mathematik, Astronomie, theoretische Physik, Chemie, Elektrotechnik, Nationalökonomie und sogar etwas Medizin. 1884 trat er einer sozialistischen Studiengruppe bei und redigierte auch die «Volksstimme», eine sozialistische Zeitung. Ohne seine Studien abgeschlossen zu haben, musste er wegen seiner Tätigkeit 1888 fliehen. In prekären Verhältnissen weilte er in Zürich und verbrachte ein Semester an der ETH. Finanziert durch Studienfreunde, reiste er alsdann nach Amerika, wo er am 1. Juni 1889 eintraf.
Durch Empfehlungen konnte er bald eine Stelle bei einem deutschen Emigranten finden, der elektrische Maschinen konstruierte. Er musste dort einen Kommutator-Motor berechnen, stellte Berechnungen über Verluste an und machte Versuche. In Berichten trug er seine Erkenntnisse vor und wurde dadurch in Fachkreisen bekannt. Als Mitglied des AIEE (American Institute of Electrical Engineers) amerikanisierte er sich rasch, wobei er sich die Vornamen Charles Proteus (seinen früheren Spitznamen) zulegte.
Um Steinmetz als Mitarbeiter zu gewinnen, musste die neu gegründete General Electric Company von der Firma, bei der er arbeitete, aufgekauft werden, da Steinmetz seiner Unternehmung aus Dankbarkeit die Treue halten wollte. Schon nach zwei Jahren rückte er zum Consulting Engineer auf. General Electric war eine Gründung Edisons, einem überzeugten Verfechter des Gleichstroms. Steinmetz dagegen erkannte, dass die Zukunft dem Wechselstrom gehören würde und studierte daher die Wechselstromphänomene. Am Elektrikerkongress in Chicago trug er seine ganz hervorragende Wechselstromtheorie vor. Diese erst 1897 veröffentlichte Arbeit gilt als sein Meisterwerk, wo er auch viele der noch heutigen Symbole verwendete. In Schenectady erhielt er ein grosses Laboratorium, wo er frei forschen konnte.
Steinmetz befasste sich auch eingehend mit der Blitzforschung. 1921 erzeugte er mit einem Blitzgenerator die ersten künstlichen Blitze und arbeitete nachher an der Entwicklung von Überspannungsableitern.
Steinmetz war ein gütiger Mensch und grosser Menschenfreund. Viele Jahre amtete er in Schenectady als Schulvorstand. Neben seiner praktischen Arbeit wirkte er seit 1902 als Professor an der Union University (Schenectady), die ihm auch den Doktortitel verlieh. Die Havard University in Cambridge zeichnete ihn mit dem Master of Art ehrenhalber aus. 1901/1902 präsidierte er das American Institute of Electrical Engineers (AIEE).
Der gebrechliche Mann wurde nur 58 Jahre alt. Am 26. Oktober 1923 entschlief er in Schenectady, betrauert von der befreundeten Familie, in der er lebte und die Rolle eines zusätzlichen Grossvaters übernommen hatte.