Startseite  |  Verband  |  Bulletin SEV/VSE  |  Pioniere der Elektrotechnik  |  SteinheilC
druckenSeite drucken

Carl August Steinheil




(1801–1870)

Nachrichten rasch auf grosse Entfernungen übertragen zu können, war schon zu allen Zeiten ein Anliegen der Heerführer. Napoleon machte sich den Chappe'schen Zeigertelegrafen zunutze, wodurch ihm im Krieg mit Österreich überraschende Eingriffe gelangen. 1809 beauftragte daher der bayrische König einen Universitätsprofessor, ebenfalls einen Telegrafen zu schaffen. Damals entstand einer der ersten elektrischen Telegrafen, der aber des enormen Aufwandes an Leitungen wegen keinen Erfolg hatte.

Mit dem Aufkommen der Bahnen wurde ein Nachrichtenmittel, das rascher als der fahrende Zug war, zur Notwendigkeit. Den beiden befreundeten Göttinger Professoren Carl Friedrich Gauss und Wilhelm Eduard Weber gelang der Bau eines mit zwei Drähten auskommenden Telegrafen. Das war 1833. Zwei Jahre später besuchte Professor Steinheil seinen früheren Lehrer Gauss. Da dieser die grosse feinmechanische Geschicklichkeit Steinheils kannte, ermunterte er ihn, seine Apparate zu verbessern.

Steinheil, der an der Universität München Mathematik und Physik lehrte, gelang es dank staatlicher Unterstützung, innert einem Jahr einen brauchbaren Schreibtelegrafen zu entwickeln. Er benutzte dabei eine Zweizeilenschrift, die aber 1840 von der Morseschrift verdrängt wurde.

In München verfügte Steinheil über eine 6 km lange, gut funktionierende Versuchsanlage mit 4 Stationen. Dann baute er eine Anlage für die Nürnberg-Fürther-Eisenbahn. Beim Versuch, die Schienen als Rückleitung zu verwenden, entdeckte er die Leitfähigkeit des Erdreiches wieder – ein Phänomen, das der Engländer Watson schon 1747 wahrgenommen hatte, das aber inzwischen vergessen worden war. Darum konnte Steinheil bei seinen Telegrafenleitungen mit einem einzigen Draht auskommen, was wesentlich zur Verbreitung des Telegrafen beitrug.

Diese Erfolge Steinheils trugen ihm den ehrenvollen Auftrag ein, in Österreich ein Telegrafennetz aufzubauen, welcher Aufgabe er sich in den Jahren 1850/51 entledigte. Kaum nach München zurückgekehrt, trug ihm der Schweizerische Bundesrat auf, das Telegrafenwesen in der Schweiz zu organisieren. Seinem Rate folgend, nahm man auch in der Schweiz, gleich wie in Österreich, Bayern und Sardinien, den Eigenbau von Telegrafenapparaten an die Hand (Eidg. Telegraphenwerkstätte in Bern).

Neben seinen Leistungen auf dem Gebiete der Telegrafie erfand Steinheil die erste elektrische Uhr, bei der er als Spannungsquelle eine Voltabatterie verwendete (1839). Erwähnenswert ist ferner ein Blitzschutzapparat für Telegrafenapparate. Dann arbeitete er auch auf optischem Gebiet und baute 1839 eine Foto-Aufnahme-Kamera, dies zusammen mit dem Mineralogen Franz v. Kobell. Seinen 1846 gefassten Plan der Errichtung einer optischen Werkstätte konnte er 1855 verwirklichen.

Steinheil, der einer deutschen Optikerfamilie entstammte, wurde am 12. Oktober 1801 im elsässischen Rappoltsweiler geboren. Am 12. September 1870 starb er in München.

Webdesign & CMS by INM AG