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Werner von Siemens




(1816–1892)

Werner Siemens, das vierte von 14 Kindern, hätte gerne die Bauakademie besucht. Doch das war zu teuer. Daher meldete er sich 17-jährig beim preussischen lngenieurkorps, wurde aber abgewiesen. Schliesslich bestand er die Aufnahmeprüfung bei der Artillerieschule in Magdeburg. In Wittenberg, wohin er versetzt worden war, arbeitete er bei Prof. Jacobi an galvanoplastischen Aufgaben und entdeckte ein Vergoldungsverfahren. 1842 gelang es seinem Bruder Wilhelm, ihm dieses Verfahren in England für 1500 Pfund zu verkaufen. Dieser Verdienst war bitter nötig, hatte er doch – da Vater und Mutter gestorben waren – für seine zahlreichen Geschwister zu sorgen. Das Problem, Geschossgeschwindigkeiten zu messen, weckte bei ihm das Interesse für die Elektrizität. Die damals auch im Militär gebräuchlichen optischen Zeiger-Telegrafen genügten nicht, und man versuchte, sie durch elektrische zu ersetzen. Siemens entwickelte die Idee zu einem solchen und bastelte mit Eisenstücken und einem Zigarrenkistchen ein Modell. Mit diesem überzeugte er den hervorragenden Mechaniker Halske, den er in der 1845 von Reymond Du Bois, einem gebürtigen Schweizer, gegründeten physikalischen Gesellschaft kennengelernt hatte. Halske baute nun den Apparat. Neben dem Militär interessierten sich die eben aufgekommenen Bahnen dafür. Der Telegraf versprach ein gutes Geschäft zu werden. So kam es 1847 zur Gründung der Telegrafenbauanstalt Siemens & Halske. Diese Unternehmung erhielt eine Menge von Aufträgen. Werners Bruder, Karl, arbeitete in Russland, wo die erste grosse Überlandtelegrafenleitung entstand. Auch die Brüder Wilhelm und Friedrich wirkten für Werners Firma.

Zwei Jahre später nahm Werner Siemens Abschied vom Militär und konnte sich neuen Problemen widmen. Seine Tätigkeit trug auch bald Früchte.

Schon damals waren die Behörden gegen Freileitungen eingestellt. Werner Siemens erfand die mit Guttapercha isolierte Leitung, und es wurden eine grössere Anzahl Telegrafenkabel verlegt, u. a. im Mittelmeer.

Noch immer fehlte eine leistungsfähige Elektrizitätsquelle. Werner Siemens beschäftigte sich mit diesem Problem, wie das schon viele vor ihm getan hatten. 1866 gelang ihm dann der grosse Wurf: Die Erfindung der sich selber erregenden Dynamomaschine. Am 17. Januar 1867 berichtete er in einem Vortrag vor der Berliner Akademie der Wissenschaften über «Die Umwandlung von Arbeitskraft in elektrischen Strom ohne Anwendung permanenter Magnete». Werner Siemens schloss seine Ausführungen mit den Worten: «Der Technik sind gegenwärtig die Mittel gegeben, elektrische Ströme von unbegrenzter Stärke auf billige und bequeme Weise überall da zu erzeugen, wo Arbeitskraft disponibel ist.»

Siemens hatte die grosse Bedeutung seiner Erfindung erkannt, obwohl sein kleines Maschinchen nur etwa 25 bis 30 W abgab. Vor allem dachte er an elektrische Bahnen. An der Pariser Weltausstellung zeigte er das elektrodynamische Prinzip, und an der 1879 in Berlin stattfindenden Gewerbeausstellung lief das erste elektrische Bähnchen. Schon bald regte Werner Siemens den Bau der Berliner Hochbahn an. Am 12. Mai 1881 lief in Berlin-Lichterfelde die erste elektrische Strassenbahn der Welt.

1887 ermöglichte Werner von Siemens – er war inzwischen geadelt worden – durch eine grosse Schenkung die Gründung der heute Weltgeltung besitzenden Physikalisch-Technischen Bundesanstalt.

Als Werner von Siemens am 6. Dezember 1892 in Berlin starb, war das Fundament der Weltfirma Siemens gefestigt. Aber welche riesige Entwicklung ihr bevorstand, ahnte trotzdem wohl niemand.

Werner von Siemens kommt das grosse Verdienst zu, die Elektrizität recht eigentlich in den Dienst der Technik gestellt zu haben. Neben der Verwirklichung der Dynamomaschine verdanken wir ihm zahlreiche andere Erfindungen und technische Verbesserungen.

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