(1770–1831)
Lötet man zwei aus verschiedenen Metallen bestehende Drähte zu einer Schleife und erwärmt oder kühlt die eine Lötstelle, so entsteht in der Drahtschleife ein elektrischer Strom. Diese von Seebeck im Jahre 1821 entdeckte Erscheinung – den Seebeck-Effekt – bezeichnet man als Thermoelektrizität. Die treibende Spannung ist abhängig von der Lage der beteiligten Metalle in der sogenannten thermoelektrischen Spannungsreihe, die Seebeck aufgrund vieler Messungen zwei Jahre später aufstellen konnte.
Seebeck wurde am 9. April 1770 in Reval geboren, studierte dann zuerst in Paris und London Naturwissenschaften. In Paris war er Schüler Fourcroys, der die Wärmewirkung des elektrischen Stroms entdeckt hatte. Später lag Seebeck in Berlin und Magdeburg medizinischen Studien ob, liess sich 1802 in Jena als Privatgelehrter nieder und gehörte dort zum Freundeskreis Goethes. Nach kurzem Aufenthalt in Nürnberg zog er 1813 nach Berlin, wo er bald Mitglied der Preussischen Akademie der Wissenschaften wurde. Seebeck, ein hervorragender Experimentator, widmete sich vorwiegend dem Magnetismus und dem Studium der galvanischen Ketten. Die Anregungen zu diesen Untersuchungen gingen vorwiegend auf Fourcroy zurück.
Wenn Elektrizität in Wärme umgewandelt werden kann, ist es dann nicht auch möglich, Wärme in Elektrizität umzusetzen, fragte sich Seebeck. Als er 1821 Versuche mit einer Wismutscheibe und einer Kupferplatte anstellte, beobachtete er am «Multiplikator» (so nannte man damals eine Art Strommesser) auffällige Ausschläge. Er ging der Sache nach und fand, dass es sich nicht wie erwartet um galvanische Ströme handelte, sondern dass seine Handwärme im Spiele war.
Seebeck erlebte die Bedeutung seiner Entdeckung nicht mehr. Er starb am 10. Dezember 1831 in Berlin. Erst in neuerer Zeit erlangte die Erscheinung eine gewisse Bedeutung. Später wurde der Seebeck dann unter anderem dazu benützt, in Satelliten durch Sonnenwärme elektrischen Strom zu erzeugen. Auch die seit Langem bekannte Temperaturmessung mit Thermoelementen beruht auf der gleichen Erscheinung.