(1856–1920)
Dass die Elektrizität imstande ist, Wärme zu erzeugen, weiss man zwar seit Fourcroy im Jahre 1800, als dieser entdeckte, dass ein schlechter Leiter zum Glühen kommt; aber man konnte lange Zeit mit dieser Erscheinung nichts anfangen.
Nach seiner Ausbildung an der Handelsschule in St. Gallen und Lausanne kam Schindler während seiner Lehr- und Wanderjahre nach Livorno und Paris. In Paris fand 1881 die erste internationale Elektrizitätsausstellung statt, von der so vielfältige Impulse ausgingen. Er veranlasste seinen Vater, der inzwischen im vorarlbergischen Kennelbach eine Baumwollspinnerei übernommen hatte, eine Turbine und einen Edison'schen Dynamo zu kaufen, und richtete damit 1884 die erste Beleuchtungsanlage in Österreich ein. An dieser Anlage beobachtete Schindler die starke Wärmeentwicklung am Nebenschlussregler, was ihn auf den Gedanken brachte, die Elektrizität zur Erzeugung von Nutzwärme zu benutzen.
Dem Unterfangen stellten sich aber grosse Hindernisse in den Weg, was vor ihm schon viele andere erfahren mussten. Einerseits galt es Leitmaterialien, die den hohen, mindestens 600 bis 700 °C betragenden Temperaturen Stand zu halten vermochten, ohne zu verzundern, und anderseits geeignete Isoliermittel zu finden.
Schindler experimentierte unermüdlich, ohne in seinen Bemühungen zu erlahmen, mit Sand und, nach einem Gespräch mit einem Töpfer, mit Tonkörpern. Damit hatte er Erfolg und erhielt 1891 österreichische und schweizerische Patente, im Februar 1892 auch ein solches für elektrische Bügeleisen, die zu einem grossen Erfolg wurden. An der «Columbus-Weltausstellung» von 1893 in Chicago zeigte Schindler die erste elektrische Küche. Während 10 Jahre früher an der Elektrizitätsausstellung in Wien elektrische Wärmeapparate gezeigt worden waren, die noch als zwecklose Kuriositäten abgetan wurden, gelang es Schindler, seinen Erzeugnissen in zunehmendem Masse Absatz zu verschaffen.
1898 gründete er die «Elektra – Wädenswil» (die 1925 an die «Therma» überging), 1901 folgte die «Elektra – Bregenz».