(1838–1915)
Die Bedeutung des deutschen Grossindustriellen Emil Rathenau liegt vor allem darin, dass er die wichtigen Erfindungen erkannte und sich dann mit grossem Elan dafür einsetzte.
Als Sohn eines Kaufmanns am 11. Dezember 1838 in Berlin geboren, studierte er an der Technischen Hochschule in Hannover und 1861/62 an der ETH in Zürich. Als 35-Jähriger kaufte er zusammen mit einem Jugendfreund eine Maschinenfabrik, zog sich aber zwei Jahre darauf wieder zurück, um Reisen zu machen. So besuchte er 1876 in Philadelphia eine Ausstellung. Von dort brachte er das Telefon nach Berlin, um alsdann im Auftrag des Generalpostmeisters Stephan in Berlin die erste Telefonzentrale einzurichten. Den grössten Impuls erhielt er indessen 1881 an der Elektrizitätsausstellung in Paris, wo Edison 1000 Kohlenfaden-Glühlampen im Betrieb zeigte. Rathenau erwarb von Edison Patente, gründete eine Studiengesellschaft und richtete im Auftrag von Millers 1882 an der Elektrotechnischen Ausstellung in München die Illuminationen ein. Mit 5 Millionen Mark Aktienkapital gründete er 1883 in Berlin die Deutsche Edison-Gesellschaft, die sich indessen verpflichtet hatte, alle elektrischen Einrichtungen von Siemens zu kaufen; nur Glühlampen wurden selber fabriziert. Mit dem Namen Siemens, der überall den besten Ruf genoss, machte Rathenau gute Geschäfte. Er verstand es auch stets, die richtigen Leute einzusetzen.
1887 wurde die Deutsche Edison-Gesellschaft in die Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft (AEG) umgewandelt, und Rathenau wurde deren Generaldirektor. Den gleichen Posten nahm er bei der auch von ihm gegründeten Berliner Elektrizitätswerk AG (BEWAG) ein. In dieser Zeit wandte sich Oskar von Miller an Rathenau und an Huber-Werdmüller der MFO. Gemeinsam setzten sie sich für die Verwirklichung der ersten Drehstrom-Kraftübertragung ein, die 1891 an der Ausstellung in Frankfurt am Main grosses Aufsehen erregte.
Vier Jahre vor der Jahrhundertwende gründete er dann eine eigene Finanzierungsgesellschaft, die Bank für eIektrische Unternehmungen in Zürich, aus der später die Elektrowatt hervorging.
In diese Zeit fielen dann die die AEG einschränkenden Bestimmungen im Vertrag mit Siemens. Dann folgten verschiedene andere Neugründungen. Erwähnt seien die der Telefunken-Gesellschaft (gemeinsam mit Siemens, 1903) und der Aluminiumwerke Rheinfelden. Rathenau starb am 20. Juni 1915 in Berlin, nicht berühmt durch eigene Ingenieurstaten, sondern als Wirtschaftsführer und Finanzmann.