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Paul Nipkow




(1860–1940)

Allgemein steht man heute unter dem Eindruck, das Fernsehen sei eine neue Erfindung. Und doch liegen seine Anfänge über 120 Jahre zurück. Damals nämlich, im Jahre 1884, erhielt Paul Nipkow das deutsche Patent auf einen «elektrischen Fernseher». Doch der am 22. August 1860 im pommerschen Lauenburg geborene Bäckerssohn, der in Berlin Mathematik und bei Helmholtz Naturwissenschaften studierte, eilte seiner Zeit weit voraus. Statt der zu jener Zeit schwer zu verwirklichenden Zeilenabtastung eines Bildes benutzte er eine schnell rotierende Scheibe mit in einer Spirale angeordneten Löchern. Diese Spirallochscheibe – die Nipkow'sche Scheibe – stellte eine sehr einfache und brauchbare Einrichtung dar, die für besondere Zwecke bis ins Jahr 1943 Verwendung fand. Für seine Erfindung interessierte sich aber niemand; die Elektrotechnik war noch nicht genügend weit entwickelt. Seine Veröffentlichung in der ETZ über den «Telephotographen» und das «elektrische Teleskop» blieben ohne jedes Echo.

Im Jahre 1885 hatte Nipkow bei den Eisenbahnpionieren seinen Militärdienst zu leisten, wobei er mit Signalproblemen in Berührung kam. Dieses Erlebnis wurde für seine ganze praktische Tätigkeit richtunggebend. Er trat bei einer Berliner Eisenbahnsignalbauanstalt ein. Als Konstruktions- und Entwicklungsingenieur erfand er da einen mechanischen Blockapparat.

1919 zog sich Nipkow aus dem Erwerbsleben zurück. Inzwischen hatten die Erfindungen der Braun'schen Röhre, der Elektronenröhre und eine Menge anderer Entwicklungen den Gedanken des Fernsehens wesentlich gefördert. Zwar war Nipkows Patent längst abgelaufen, als 1923 Karolus in Deutschland, Baird in England und Jenkins in den Vereinigten Staaten Fernsehversuche aufnahmen, wobei die Nipkow'sche Scheibe zur grossen Genugtuung ihres Erfinders zu Ehren kam. Nipkow erhielt dann im darauffolgenden Jahr das Patent für eine zuverlässig wirkende Synchronisier-Einrichtung von am gleichen Netz wie der Sender angeschlossenen Empfängern.

Als Nipkow 75 Jahre alt war, eröffnete die deutsche Telefonverwaltung zwischen Berlin und Leipzig die erste öffentliche Fernseh-Sprechverbindung. Die Universität Frankfurt verlieh dem nun als Fernsehpionier gefeierten Mann den Ehrendoktor.

Zwei Tage nach seinem 80. Geburtstag, am 24. August 1940, starb Paul Nipkow in Berlin.

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