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Emil Huber-Stockar




(1865–1939)

Wenn man irgendwo, besonders aber in der Schweiz, mit einer elektrischen Bahn rasch, bequem und sauber über weite Strecken fährt, sollte man sich Emil Hubers erinnern. Der Gründer der Maschinenfabrik Oerlikon (MFO), Peter E. Huber-Werdmüller, hatte zwei Söhne, Emil Huber, dem diese Kurzbiografie gilt, und Max Huber, den nachmaligen Professor, Staatsrechtler, Völkerbundsdelegierten und Präsidenten des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz.

Emil Huber wuchs in der Geborgenheit einer wirtschaftlich unabhängigen, aber die Arbeitspflicht und eine schlichte Lebensweise hochhaltenden Familie auf. Begabt für Mathematik und Naturwissenschaft, wandte er sich auf Wunsch seines Vaters dem Studium eines Maschineningenieurs zu. 1888 erwarb er sich am Eidgenössischen Polytechnikum das Diplom. Dann arbeitete er zwei Jahre in Büro und Werkstatt der MFO. Zusammen mit Carl Sulzer reiste er darauf nach Amerika, wo er im Dienste von Westinghouse und von Edison stand.

1891 kehrte er zur MFO zurück und stand als Nachfolger von Ch. Brown als Direktor der elektrischen Abteilung vor. In Amerika hatte er sich besonders um die elektrische Traktion interessiert und mit Frank Sprague Beziehungen geknüpft. Von 1891 bis 1904 baute die MFO 200 km Gleichstrombahnen. Daneben setzte sich Huber für die Durchbildung von Typenreihen von Motoren, Generatoren und Transformatoren ein. Auch der Bau elektrischer Hebezeuge wurde mächtig gefördert. Was ihm aber am Herzen lag, war die Vollbahnelektrifizierung. Neben Prof. Dr. Wyssling und Dr. Tissot arbeitete er in der «Schweizerischen Studienkommission für elektrischen Bahnbetrieb». Aber er beschränkte sich nicht auf Vorträge und Studien, sondern leistete die eigentliche Pionierarbeit. Auf seinen Vorschlag anerbot sich die MFO im Februar 1902, die Strecke Seebach–Wettingen auf eigene Kosten und Gefahr zu elektrifizieren. Eine erste kleine Strecke von 700 m Länge kam 1904 mit einer Umformerlokomotive in Betrieb. Im folgenden Jahr drang der Versuchsbetrieb bis Affoltern mit einer reinen Wechselstromlokomotive für 15 000 V bei 15 Hz vor, bei der die von Dr. Behn-Eschenburg entwickelten Motoren mit verschobenem Hilfsfeld erstmals angewandt wurden. Dies war ein voller Erfolg. Um Bedenken gegenüber der Hochspannungsfahrleitung über den Geleisen zu beseitigen, entwickelte Huber den Rutenstromabnehmer mit einer seitlich angeordneten Fahrleitung, die 1907 bei der Maggiatalbahn Anwendung fand. Trotz allen Erfolgen konnten sich die SBB indessen nicht entschliessen, die Anlagen zu übernehmen; sie wurden 1909 abgebrochen. Unterdessen hatte aber die Bern–Lötschberg–Simplon-Bahn (BLS) die Elektrifikation mit diesem System beschlossen; ihr folgte 1910 die Rhätische Bahn für die Engadiner Linie.

Huber verliess 1910 die MFO, um sich seinen Studien zu widmen. Die SBB, die immerhin 1907 ein «Bureau für elektrischen Bahnbetrieb» eröffnet hatten, das Vorstudien für die Energieversorgung aufgestellt und auch den Erwerb von Wasserrechtskonzessionen in die Wege geleitet hatte, gelangten 1912 an Huber mit dem Ansuchen, die Elektrifikationsarbeiten der SBB, vorab der Gotthardbahn, zu leiten. Huber nahm diesen ihm auf den Leib geschnittenen Auftrag an. Mit ausserordentlichem Weitblick organisierte er die Arbeiten, den Bau der Kraftwerke sowohl der Streckenausrüstungen als auch der Triebfahrzeuge. Durch den Ausbruch des Krieges im Jahre 1914 wurde das ganze Unternehmen aufgehalten. Schwierigkeiten in der Kohlebeschaffung gaben später den Anstoss zur Wiederaufnahme der Arbeiten. Im Februar 1916 fiel der formelle Entschluss der SBB zugunsten des Einphasenwechselstroms von 16 000 V und 16 2/3 Hz. Noch bevor an der Gotthardbahn begonnen werden konnte, führte man die Notelektrifikation Scherzligen–Bern und Brig–Sitten (diese mit Drehstrom) durch. 1919 wurden die ersten Lokomotiven geliefert, 1920 der Probebetrieb am Gotthard aufgenommen. Nachdem schon 1918 ein Programm für die Gesamtelektrifikation aufgestellt worden war, trat 1923 ein «beschleunigtes Programm» in Kraft. Es gelang Huber, zur Linderung der damaligen Arbeitslosigkeit 70 000 bis 80 000 Arbeiter aus andern Industriezweigen bei der Bahnelektrifikation zu verwenden. 1925 entlastete er sich, blieb aber ständiger Berater bis 1935. Am 28. April 1925 verlieh ihm die ETH die Würde eines Ehrendoktors, in Würdigung seiner grossen Verdienste um die Bahnelektrifikation, die für die Schweiz von grösster wirtschaftlicher Bedeutung war.

Huber war nicht nur in seinem Fach zu Hause. Er war ein gewiegter Alpinist; seine Liebe zur Naturwissenschaft spiegelte sich darin, dass er Präsident der Naturforschenden Gesellschaft war und im Vorstand der Physikalischen Gesellschaft wirkte. Ferner diente er dem SEV als erster Präsident des CES. 1929 ernannte ihn der SEV zum Ehrenmitglied. Im Militär hatte Huber zuletzt den Rang eines Obersten der Artillerie.

Das Schweizervolk verdankt vor allem ihm die Elektrifikation seiner Bahnen. Daran erinnert ein Denkmal beim Bahnhof Flüelen.

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