(1801–1870)
Der Däne Sören Hjorth ist hierzulande wenig bekannt, obwohl man ihn zu den Pionieren der Elektrizität zählen muss. Er war ein wacher Geist, seiner Zeit weit voraus, was für zahlreiche seiner Misserfolge verantwortlich sein dürfte. Viel erstaunlicher ist aber, dass er trotz mangelhafter Schulbildung so viele Probleme richtig sah und anpackte.
Am 13. Oktober 1801 in Vesterbygaard geboren, wuchs er in einfachen Verhältnissen an der Westküste Seelands auf. Der Beruf eines Stewards befriedigte ihn so wenig wie der eines Buchhalters und Sekretärs im staatlichen Schatzamt, wo er von 1828 an arbeitete. Ihn zog es zur Technik. In seiner Freizeit konstruierte er unter anderem eine Dreschmaschine. 1832 entwarf er eine rotierende Dampfmaschine, die, zwar nach seinen Angaben, zu wenig sorgfältig gebaut wurde und daher versagte. Eine von einer Stiftung finanzierte Reise führte ihn 1834 nach England, wo er die Anwendung der Dampfwagen studierte. Nach Dänemark zurückgekehrt, machte er sich selber an die Konstruktion eines solchen, hatte aber wiederum keinen Erfolg; sein Gefährt lief zwar auf ebenem Geleise, versagte aber seinen Dienst auf Steigungen.
Fünf Jahre nach der ersten Reise besuchte er abermals England sowie Frankreich und Belgien und kehrte als begeisterter Eisenbahnfreund zurück. Er wurde Direktor der ersten Eisenbahn Dänemarks.
Schon vor der zweiten Reise hatte Hjorth angefangen, sich für die Elektrizität zu interessieren; bei Oersted hörte er Vorlesungen. 1842 entstand der erste Entwurf für eine «elektromagnetische Maschine», deren Zeichnungen er der Königlichen Wissenschaftlichen Gesellschaft vorlegte und für die er 6 Jahre später ein englisches Patent erhielt. Der Motor, um einen solchen handelte es sich, wurde 1851 an der Weltausstellung in London gezeigt. Da aber zu jener Zeit ergiebige Stromquellen fehlten, stiess die Erfindung auf geringes Interesse. In richtiger Erkenntnis dieser Lücke machte er sich nach seiner Rückkehr nach Kopenhagen daran, eine Dynamomaschine zu entwerfen. 1854 erhielt er ein provisorisches englisches Patent auf eine «Dynamomaschine, die ihr Magnetfeld selbst erzeugt». Das war 12 Jahre vor der epochemachenden Erfindung von Werner Siemens! Eine verbesserte Maschine dieser Art stellte er 1867 an der Weltausstellung in Paris aus. Dort wurde er zwar von Napoléon III. empfangen, aber dieser gewährte ihm keine Unterstützung, weil angeblich eine vom Engländer Ladd gezeigte Maschine als besser angesehen wurde. (Auch die Maschine von Siemens war ausgestellt.) Hjorth wurde 1843 Präsident des Industrievereins, hatte von da an die Stellung eines Ingenieurs und spielte im Lande eine wichtige Rolle. Dass er noch fest an das Perpetuum mobile glaubte, war zu jener Zeit entschuldbar. Sören Hjorth starb in Kopenhagen am 28. August 1870.