(ca. 1670–1736)
Vom Privatleben des englischen Denkers Stephan Gray, der von 1696 bis 1706 in Canterbury und von 1720 bis 1736 in London wohnte und dort am 25. Februar 1736 starb, weiss man fast nichts. Es existiert auch kein Bild von ihm. Die Mutmassungen über sein Geburtsdatum variieren zwischen 1666 und 1694; wahrscheinlich liegt es um 1670. Ein Zeitgenosse meinte, er habe einen recht eigenartigen Charakter gehabt und sei keineswegs angenehm gewesen.
In seiner «Geschichte der Elektrizität» behauptete später der englische Naturforscher Priestley, dass wohl kein anderer Forscher sich so von ganzem Herzen der Arbeit hingegeben habe. Leidenschaftlich besessen, Neues zu entdecken, setzte er sich hie und da der Gefahr der Selbsttäuschung aus. Aber seine Forschungen führten für die Nachwelt zu wertvollen Erkenntnissen.
Er teilte die Materialien in elektrische und nicht eIektrische ein, je nachdem, wie sie sich beim Reiben verhielten. Dann entdeckte er, dass nicht elektrische Stoffe bei Berührung mit geriebenen den elektrischen Zustand weitergeben konnten. Daraus folgerte er die Unterscheidung in Leiter und Nichtleiter (Isolatoren), von der der Franzose Du Fay ersten Gebrauch machte. Gray sah im Dunkeln das zarte Leuchten von Seide und Leinen sowie anderer Stoffe. Brachte er im Dunkeln einen geriebenen, leuchtenden Glasstab mit anderen Gegenständen in Berührung, so übertrug sich das Leuchten auch auf diese. Dadurch kam er auf den Gedanken, Elektrizität könnte auch fortgeleitet werden. Mit Glasstäben, Harzkuchen, Elfenbeinkugeln, Flaumfedern, seinen Fingern, trockenen und nassen Packschnüren, Seidenfäden, Eisen- und Kupferdrähten experimentierend, fand er in unermüdlicher, sich bis aufs Totenbett erstreckender Arbeit:
– die elektrostatische Fernwirkung bis auf 25 cm Entfernung;
– dass ein kleiner an einem Faden aufgehängter geladener Körper einen grössern geladenen Körper in kreisförmigen oder elliptischen Bahnen umkreist;
– dass die elektrostatische Anziehung (oder Abstossung) nicht von der Masse abhängt;
– dass die Ladung auf der Oberfläche sitzt und von deren Grösse und Form abhängig ist;
– dass bei Aufhängung einer nassen Packschnur, eines Drahtes aus Eisen oder Kupfer Elektrizität bis zu 765 Fuss (ca. 220 m) weit fortgeleitet werden konnte;
– dass Sprühen sich wie der Blitz verhält, nur viel schwächer ist.
Um 1729/30 arbeitete Gray mit Wheeler zusammen; die Mehrzahl seiner Forschungen betrieb er indessen allein. Von 1731 bis 1736 beschrieb er in 8 Artikeln der «Philosophischen Berichte» seine Entdeckungen. 1732 wurde er zum Mitglied der auf 55 Köpfe begrenzten Royal Society gewählt.