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Lucien Gaulard




(1850–1888)

Lucien Gaulard, in Paris am 16. Juli 1850 geboren und daselbst am 26. November 1888 gestorben, hat eigentlich nur in Frankreich und Italien die ihm gebührende Beachtung gefunden. Er war, wie die meisten Pioniere seiner Zeit, ein Praktiker. An der grossen Elektrizitätsausstellung 1881 in Paris zeigte er ein thermochemisches Element, das aber bald wieder in Vergessenheit geriet. Angeregt durch Marcel Deprez beschäftigte er sich mit dem Energietransport mit Wechselstrom. 1882 war er in London tätig. Dort galt es, für die Beleuchtung der Untergrundbahn eine Leistung von 30 kW auf eine Strecke von 25 km zu verteilen. Gaulard löste das Problem mit in Serie geschalteten Transformatoren. Dann meldete er sich auf ein internationales Preisausschreiben des Organisationskomitees der Elektrizitätsausstellung 1884 in Turin über die Energieübertragung mit Wechselstrom auf grosse Distanzen. Es war anhand einer praktischen Ausführung zu belegen, dass es möglich sei, elektrische Energie mit mässigen Verlusten über grössere Entfernungen zu übertragen.

Gaulard hatte mit riesigen Schwierigkeiten zu kämpfen, und es gelang ihm erst am letzten Ausstellungstag, dem 19. September 1884, die Anlage in Betrieb zu setzen. Ein von einer Dampfmaschine angetriebener 30-kW-Wechselstromgenerator von 2000 V Spannung und einer Frequenz von 133 Hz speiste über eine 80 km lange Schleifenleitung 3 in Serie geschaltete Transformatoren mit offenem magnetischem Kreis. Diese «générateurs secondaires» («Sekundärgeneratoren») spiesen ihrerseits ebenfalls in Serieschaltung die Beleuchtungsanlagen der drei Bahnstationen in Turin, Venaria Reale und Lanzo. Die Ausstellungsjury, in der Prof. Galileo Ferraris mitwirkte, stellte einen Wirkungsgrad von 90 Prozent fest. Gaulard hatte mit seiner Erfindung kein Glück. Bláthy, Déri und Zipernowsky, die bei Ganz & Co. in Budapest ebenfalls an diesem Problem arbeiteten, kamen auf die Parallelschaltung der Transformatoren. 1886 installierte Gaulard, unabhängig davon, in Tours ebenfalls eine Beleuchtungsanlage mit parallel geschalteten Transformatoren. Gaulards Patente wurden von Westinghouse gekauft, aber die harten Prozesse gegen Ganz & Co. griffen Gaulard so sehr an, dass er geistesgestört wurde.

Dem Andenken Gaulards trägt eine Strasse im 18. Arondissement von Paris seinen Namen, und in der Schalterhalle der Station Lanzo der Überlandbahn Torino–Lanzo–Ceres hängt seit 1890 eine Gedenktafel mit der Inschrift:

Qui l'anno M D C C C L X X X I V
Luciano Gaulard di Parigi
vinse primo
con correnti alternate
le difficolta della trasmissione a
grande distanza

Auspice
La Società Italiana di Elettricità in Milano
annuente
quella Ferroviaria Torino–Lanzo

Gli ammiratori

(... oder auf Deutsch: Hier überwand im Jahre 1884 Lucien Gaulard aus Paris als Erster die Schwierigkeiten der Übertragung elektrischer Energie mit Wechselstrom auf grosse Distanzen – Errichtet zur Erinnerung unter dem Schutz der Società Italiana di Elettricità in Mailand und der Eisenbahn Torino–Lanzo. Die Bewunderer.)

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