(1849–1945)
In der Reihe der Entwicklung zur Elektronenröhre stellt die Gleichrichterröhre die erste Stufe dar. John Ambrose Fleming, Sohn eines schottischen Pioniers der Zementherstellung, hat sie erfunden.
Fleming wurde am 29. November 1849 in Lancaster geboren. Als Knabe durfte er seinen Vater auf Reisen begleiten, wobei er sich für Lokomotiven und technische Einrichtungen interessierte. Als 14-Jähriger bastelte er mit Elementen und Levdener-Flaschen, wobei die ganze Familie für elektrische Schläge herhalten musste.
Nach Übersiedlung nach London kam der Junge ans College, wo er in Mathematik glänzte, aber in den Sprachen versagte. Technische Schulen gab es noch keine; um Ingenieur zu werden, musste man bei einer Firma ein teuer zu bezahlendes Praktikum absolvieren. Weil er sich das nicht leisten konnte, entschloss sich Fleming zum Chemiestudium, und auch dabei musste er zwischenhinein mit Abzeichnen von Plänen Geld verdienen. 1871 wurde er Master of Science.
Die Vorliebe zur Elektrizität war aber geblieben. Zwar arbeitete er eine Zeit lang am Chemieinstitut in South Kensington, las dann die Schriften Faradays und wiederholte seine Versuche. Unter anderem konnte er Faradays Vermutung experimentell bestätigen, wonach in einer zwischen zwei Magnetpolen fliessenden Flüssigkeit eine Spannung induziert wird. 1877 gab er seine Stellung auf, um in Cambridge Physik zn studieren. Dort war er auch Schüler Maxwells (dessen Experimente stets auf das Beste vorbereitet, aber die Vorlesungen sehr schwer verständlich waren).
Mit welchen Mitteln man arbeiten musste, lässt die Erzählung vom lebenden Ampèremeter erkennen. Als man am Institut noch kein Galvanometer besass, musste ein Labordiener Cavendishs herhalten und sagen, ob der Strom gleich stark, schwächer oder stärker als ein Vergleichsstrom sei. 1883 schloss Fleming sein zweites Studium ab und las von da an während 42 Jahren am Universitäts-College in London über Elektrizitätstechnologie. Er richtete sich mit der Zeit grosse Laboratorien ein und war auch einer der ersten, der mit seinen Studenten Werkbesuche ausführte. 1905 reichte er der Royal Society seinen berühmten Bericht über das «thermionische Ventil» ein. 20 Jahre zuvor hatte Edison entdeckt, dass von einem im Vakuum glühenden Draht ein Strom zu einer positiv geladenen Platte fliesst (Edison-Effekt). Fleming ging den Zusammenhängen nach und zeigte, dass bei Speisung mit Wechselstrom eine Gleichrichterwirkung auftritt. Einige Jahre später griff er die Sache erneut auf und liess sich von Swan einige 12-V-Kohlefadenlampen bauen mit einem den Glühdraht umgebenden Metallzylinder. Damit war die Gleichrichterröhre geboren. Fleming nannte sie «thermionisches Ventil», während andere sie als «Fleming-Ventil» bezeichneten. Nur 2 Jahre später entwickelte der Amerikaner Lee de Forest aus dem Fleming-Ventil die Elektronenröhre (Triode).
Fleming schuf auch um 1897 die ersten Fokussier-Spulen für Braun'sche Röhren, die später für Kathodenstrahl-Oszillografen und Fernsehröhren grosse Bedeutung erlangten.
Er war aber nicht nur ein erfolgreicher Wissenschaftler und guter Lehrer, sondern malte und fotografierte selber, liebte Musik und machte grosse Reisen nach Amerika, Palästina und Ägypten, zu einer Zeit, als Reisen noch beschwerlich war.
Erst spät fielen Fleming die verdienten Ehrungen zu. Am 19. April 1945 starb er in Sidmouth im hohen Alter von 95,5 Jahren.